{"id":7045,"date":"2021-04-07T09:00:55","date_gmt":"2021-04-07T07:00:55","guid":{"rendered":"https:\/\/exif-recherche.org\/?p=7045"},"modified":"2021-04-08T12:08:24","modified_gmt":"2021-04-08T10:08:24","slug":"gruppe-s-die-drei-verschonten-neonazis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/exif-recherche.org\/?p=7045","title":{"rendered":"\u00abGruppe S.\u00bb &#038; die drei verschonten Neonazis"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die Geschichte der \u00abGruppe S.\u00bb liest sich wie eine nervenaufreibende Netflix-Serie und ist doch bittere Realit\u00e4t: Ein Informant meldet sich beim Verfassungsschutz, will rechtsterroristische Bestrebungen melden und wird ignoriert. Wenige Wochen sp\u00e4ter versucht er es erneut &#8211; diesmal beim LKA &#8211; und wird dort ernst genommen. Er berichtet von den Pl\u00e4nen einer gr\u00f6\u00dferen Gruppe Neonazis, es geht um Waffen, Schie\u00df\u00fcbungen, Geld, konkrete Anschlagsziele auf Politiker:innen, Moscheen, Antifaschist:innen. Die Gruppe koordiniert sich \u00fcber verschiedene Chats. Die Polizei entschlie\u00dft sich, ihn als Informanten in der Gruppe spitzeln zu lassen. Als die Gruppe sich am 8. Februar 2020 in Minden trifft, um konkrete Anschlagsziele zu besprechen, observiert ein Mobiles Einsatzkommando der Polizei jeden Schritt. Der Anf\u00fchrer der Gruppe, Werner Somogyi, von den Neonazis nur \u201eTeutonico\u201c genannt, soll auf dem Treffen den Plan vorgestellt haben. Er will Muslime in Moscheen zeitgleich in mehreren Bundesl\u00e4ndern mit Waffen angreifen. Dies werde schlie\u00dflich zu b\u00fcrgerkriegsartigen Zust\u00e4nden f\u00fchren, weil es zu Gegenreaktionen kommen w\u00fcrde, so seine Vorstellung. Ein \u201eTag X\u201c-Szenario, das zur politischen Destabilisierung beitragen soll, nach dem sich Neonazis auf der ganzen Welt seit Jahrzehnten sehnen und das den \u201eRacial Holy War\u201c einleiten soll \u2013 die Sehnsucht nach dem bewaffneten Kampf und den politischen Umsturz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenige Tage nach dem Treffen in Minden bricht der Kontakt zu dem Informanten ab, die Ermittler:innen werden nerv\u00f6s und schlagen zu. Am Morgen des 20. Februar 2020 finden in sechs Bundesl\u00e4ndern <a href=\"https:\/\/rkowl.blackblogs.org\/2020\/02\/23\/rechter-terror-gruppe-somogyi\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">gegen 13 Mitglieder Razzien statt<\/a> u.a. auch bei einem Beamten der Polizei. Gefunden werden Depots mit Versorgungsmitteln, zahlreiche Waffen und Munition, sowie Material zur Herstellung von Sprengs\u00e4tzen und Bombenbauanleitungen. Seitdem sitzen zw\u00f6lf Personen wegen \u201eMitgliedschaft einer terroristischen Vereinigung\u201c als Mitglieder der \u00abGruppe S.\u00bb &#8211; von den Ermittler:innen nach dessen Anf\u00fchrer Somogyi benannt &#8211; in U-Haft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch mit der Haft endet die spektakul\u00e4re Geschichte der Gruppe nicht. Am 15. Juli 2020 wird der Beschuldigte Ulf R\u00f6sener tot in seiner Zelle aufgefunden. Ersten Erkenntnissen zufolge starb er durch Suizid. Bei R\u00f6sener wurden im Rahmen der Durchsuchung im Februar 2020 selbstgebaute Handgranaten gefunden, sp\u00e4ter f\u00fchrte er die Ermittler:innnen zu einem Waffendepot in einem Waldst\u00fcck. Dem nicht genug, habe es zudem einen Auftrag zum Mord des Informanten gegeben, der schlie\u00dflich als Hauptbelastungszeuge im Verfahren gegen die \u00abGruppe S.\u00bb gilt. Daf\u00fcr soll Werner Somogyi <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/investigativ\/gruppe-s-115.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">aus der Haft einem italienischen Mafia-Mitglied<\/a> 50.000 Euro geboten haben. Der Informant, sowie die Gr\u00fcnderin der Gruppe, Marion Grohganz, sind vom Verfahren ausgenommen. Der Informant habe ma\u00dfgeblich zur Aufkl\u00e4rung beigetragen und bleibt aufgrund dessen verschont. Grohganz wiederum habe nicht an den konkreten Planungen beim Treffen der Gruppe in Minden teilgenommen. Doch nicht nur den Beiden bleibt ein Prozess erspart. Eine Geschichte, die bislang noch nicht erz\u00e4hlt wurde, handelt von drei M\u00e4nnern aus Norddeutschland, die im Prozess ebenso nicht als Angeklagte gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Davon gekommen&#8230;<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_7047\" style=\"width: 1210px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Thorsten-Kempf-und-Tony-Ebel-am-29.-September-2019-bei-Michel-wach-endlich-auf-in-Hamburg.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7047\" class=\"wp-image-7047 size-full\" src=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Thorsten-Kempf-und-Tony-Ebel-am-29.-September-2019-bei-Michel-wach-endlich-auf-in-Hamburg.jpg\" alt=\"\" width=\"1200\" height=\"800\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7047\" class=\"wp-caption-text\">Thorsten Kempf (mitte) und Tony Ebel (rechts) am 29. September 2019 bei \u00abMichel, wach endlich auf\u00bb in Hamburg &#8211; Bildrechte: Pixelarchiv<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_7049\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Tony-Ebel-bei-Michel-wach-endlich-auf-am-29.-September-2019-in-Hamburg-wie-er-Bilder-von-Journalistinnen-anfertigt-Bildrechte-News-Photo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7049\" class=\"wp-image-7049 size-medium\" src=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Tony-Ebel-bei-Michel-wach-endlich-auf-am-29.-September-2019-in-Hamburg-wie-er-Bilder-von-Journalistinnen-anfertigt-Bildrechte-News-Photo-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7049\" class=\"wp-caption-text\">Tony Ebel bei \u00abMichel, wach endlich auf\u00bb am 29. September 2019 in Hamburg wie er Bilder von Journalist:innen anfertigt &#8211; Bildrechte: News-Photo<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die drei Neonazis Ralph Eitelbach aus Witzhave, Thomas \u201eTogger\u201c Gardlo aus Hamburg und Thorsten Kempf aus Bad Bramstedt organisierten in Hamburg die rassistischen Kundgebungen <a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/?p=5680\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00abMerkel muss weg\u00bb<\/a> (MMW). \u00dcber Monate trafen sie Absprachen und waren in die Interna der \u00abGruppe S.\u00bb eingeweiht. Auch hatten sie zugesagt an dem Treffen in Minden teilzunehmen, jenes Treffen, bei dem konkrete Anschlags-Planungen besprochen wurden. Die Verbindungen der Drei nach Hamburg d\u00fcrfte in Hinblick auf die Anschlagsziele der Gruppe von Bedeutung sein. Schlie\u00dflich war die Metropole bei der \u00abGruppe S.\u00bb schon einmal als Ort terroristischer Angriffe im Gespr\u00e4ch, n\u00e4mlich in Bezug auf das Islamische Zentrum Hamburg, die \u201eBlaue Moschee\u201c an der Au\u00dfenalster.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Kontakt zur \u00abGruppe S.\u00bb konnten Eitelbach, Gardlo und Kempf \u00fcber den 40-J\u00e4hrigen Tony Ebel herstellen, der als rechte Hand von Somogyi galt, der in S\u00fcddeutschland lebt. Ebel rekrutierte die Mitstreiter in Norddeutschland und war Verbindungsperson f\u00fcr die MMW-Gruppe. Daf\u00fcr traf er sich seit Sommer 2019 mit dem Orga-Kreis von \u00abMerkel muss weg\u00bb, sp\u00e4ter umbenannt in \u00abMichel, wach endlich auf\u00bb in Hamburg. Etwa am 29. September 2019, wo er beobachtet werden konnte, wie er mit Thorsten Kempf Absprachen traf.<\/p>\n<div id=\"attachment_7084\" style=\"width: 218px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Thorsten-Kempf-Gewaltaufruf-in-der-Facebook-Gruppe-\u201eMerkel-Muss-Weg-HAMBURG-DEMO\u201c-Screenshot.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7084\" class=\"size-medium wp-image-7084\" src=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Thorsten-Kempf-Gewaltaufruf-in-der-Facebook-Gruppe-\u201eMerkel-Muss-Weg-HAMBURG-DEMO\u201c-Screenshot-208x300.jpg\" alt=\"\" width=\"208\" height=\"300\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7084\" class=\"wp-caption-text\">Thorsten Kempf Gewaltaufruf in der Facebook-Gruppe \u201eMerkel Muss Weg &#8211; HAMBURG DEMO\u201c &#8211; Screenshot<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dieser Kundgebung fertigte Ebel ebenso Bilder von den anwesenden Journalist:innen an, die er sp\u00e4ter am Abend in einem Telefonat mit Werner Somogyi als <em>\u201eAntifa-Knipser\u201c<\/em> bezeichnet. Auch sprechen sie \u00fcber Gefahren bei Demonstrationen und stellen fest: <em>\u201eBlut und Narben lassen sich hierbei nicht vermeiden\u201c<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Kempf pflegt Ebel einen engen Austausch. Sie telefonieren regelm\u00e4\u00dfig und besprechen sich. Ebel halte viel von ihm und bezeichnete ihn gegen\u00fcber Somogyi gar als <em>\u201eder Legion\u00e4r\u201c<\/em>. Er schl\u00e4gt diesem auch vor, dass Kempf eine F\u00fchrungsfigur f\u00fcr die Gruppe werden soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Thorsten Kempf trat bei den MMW-Kundgebungen in Hamburg als Chef des Ordnerdienstes auf und nahm an den Kooperationsgespr\u00e4chen mit der Polizei teil. Er \u00e4u\u00dfert sich h\u00e4ufig gewaltbereit und scheint zu allem entschlossen. <em>\u201eBomben rein trifft kein verkehrten\u201c<\/em>, <em>\u201eZu denn Waffen und jagt das Pack dahin wo es hingeh\u00f6rt\u201c<\/em> (Fehler im Original) oder auch <em>\u201eFeuer frei\u201c<\/em>, kommentiert er rassistische Artikel und Beitr\u00e4ge zur Migrationspolitik in den sozialen Medien.<\/p>\n<div id=\"attachment_7052\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Ralph-Eitelbach-mit-Redner-Michael-St\u00fcrzenberger-am-29.-September-2019-in-Hamburg-Bildrechte-Pixelarchiv.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7052\" class=\"wp-image-7052 size-medium\" src=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Ralph-Eitelbach-mit-Redner-Michael-St\u00fcrzenberger-am-29.-September-2019-in-Hamburg-Bildrechte-Pixelarchiv-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7052\" class=\"wp-caption-text\">Ralph Eitelbach (rechts) mit Redner Michael St\u00fcrzenberger (mitte) am 29. September 2019 in Hamburg &#8211; Bildrechte: Pixelarchiv<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Thomas \u201eTogger\u201c Gardlo nahm an der Kundgebung am 29. September 2020 nicht teil. Der fr\u00fchere Personensch\u00fctzer des ehemaligen Hamburger Innensenators Ronald Schill, bewegte sich fr\u00fcher gemeinsam mit seinem Bruder im Umfeld der \u00abAktionsfront Nationaler Sozialisten\u00bb (ANS) und war sp\u00e4ter an die \u00abFreiheitliche Deutschen Arbeiterpartei\u00bb (FAP) angebunden. Gardlo ist wegen gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung und Versto\u00df gegen das Waffengesetz vorbestraft. Um 2016 trainierte er Mitglieder der <a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/?p=577\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00abIdentit\u00e4ren Bewegung\u00bb<\/a> in Kampfsport.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von Gardlo sei Tony Ebel begeistert und lege f\u00fcr ihn seine Hand ins Feuer, teilt er Somogyi mit. Er erkl\u00e4rt auch, dass \u201eTogger\u201c sich eher im Hintergrund halten w\u00fcrde, weil er in der \u00d6ffentlichkeit stehe. Den dritte im Bunde, Ralph Eitelbach, preist Ebel gegen\u00fcber Somogyi als Mann an, auf den man sich zu 100% verlassen k\u00f6nnte, der schon wegen Mord und Totschlag gesessen h\u00e4tte und gewillt sei Aktionen zu starten. Eitelbach war 2018 Kandidat der AfD im Kreis Stormarn (Schleswig-Holstein) und wird auf der Kandidatenliste als Personensch\u00fctzer bezeichnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vertrauter Kreis<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_7054\" style=\"width: 1210px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Tony-Ebel-und-Werner-Somogyi-bei-\u00abWir-f\u00fcr-Deutschland\u00bb-am-3.-Oktober-2019-in-Berlin-Bildrechte-Recherchenetzwerk-Berlin.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7054\" class=\"wp-image-7054 size-full\" src=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Tony-Ebel-und-Werner-Somogyi-bei-\u00abWir-f\u00fcr-Deutschland\u00bb-am-3.-Oktober-2019-in-Berlin-Bildrechte-Recherchenetzwerk-Berlin.jpg\" alt=\"\" width=\"1200\" height=\"800\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7054\" class=\"wp-caption-text\">Tony Ebel (Bildmitte) und Werner Somogyi (1.v.r.) bei \u00abWir f\u00fcr Deutschland\u00bb am 3. Oktober 2019 in Berlin \u2013 Bildrechte: Recherchenetzwerk-Berlin<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 3. Oktober 2019 reisten Ralph Eitelbach und Thorsten Kempf nach Berlin, um an einem Aufmarsch von \u00abWir f\u00fcr Deutschland\u00bb teilzunehmen und um sich mit dem Anf\u00fchrer und weiteren Mitgliedern der \u00abGruppe S.\u00bb zu treffen. Dabei entstand auch ein Gruppenbild vor dem Brandenburger Tor und es kam zu Absprachen auf einer Rastst\u00e4tte. Einen Tag nach dem Aufmarsch in Berlin meldete sich Ebel bei Kempf. Er will an den Organisations-Treffen von MMW in Hamburg teilnehmen. Der kleine vertraute Kreis aus bis zu 10 Personen bespricht sich und stimmt der Teilnahme Ebels zu. Im November treffen sich die Neonazis, laut Aussage von Kempf, um \u00fcber kommende Aufm\u00e4rsche zu sprechen. Doch es w\u00fcrden keine dieser Art mehr in Hamburg stattfinden &#8211; offensichtlich eine Schutzbehauptung von Kempf. Ebel wird dennoch in den geheimen Gruppen-Chat der MMW-Orga aufgenommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Somogyi plant ein Treffen mit den norddeutschen Rekruten der \u00abGruppe S.\u00bb, wof\u00fcr am 2. November 2019 ein Gruppenchat namens \u201eBesprechungs-Zimmer\u201c eingerichtet wird. Eitelbach, Kempf und Gardlo sind von Beginn an Teil dieser Chatgruppe. Der Polizei-Informant gibt sp\u00e4ter an, dass alle Mitglieder dieser Telegram-Gruppe genau wussten um was es geht. Die Ziele seien das <em>\u201eT\u00f6ten von Schwarzafrikanern\u201c<\/em>, sowie rechts-motivierte Anschl\u00e4ge gewesen. Auch \u00fcber Waffen sei gesprochen worden. In der Gruppe seien nur Leute gewesen, <em>\u201edie diese Ziele teilen und den Willen haben, diese auch umzusetzen.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Dezember 2019 trifft sich die MMW-Gruppe erneut mit Ebel. Man l\u00e4dt ihn zur \u201eWeihnachtsfeier\u201c in famili\u00e4rer Atmosph\u00e4re nach Lohbr\u00fcgge-Bergedorf ein. Nur wenige Meter vom Restaurant, in dem das Treffen stattfindet, wohnt der Neonazi Michael Arnold. Er war jahrelang die rechte Hand des bundesweit einflussreichen Neonazi-Kaders Thomas Wulff und war im Hintergrund einer der Strippenzieher des \u00abTag der Patrioten\u00bb am 12. September 2015 in Hamburg.<\/p>\n<div id=\"attachment_7055\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Michael-Arnold-mit-Ludwig-Flocken-am-5.-Dezember-2020-in-Bremen-Bildrechte-Pixelarchiv.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7055\" class=\"wp-image-7055 size-medium\" src=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Michael-Arnold-mit-Ludwig-Flocken-am-5.-Dezember-2020-in-Bremen-Bildrechte-Pixelarchiv-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7055\" class=\"wp-caption-text\">Michael Arnold (Bildmitte) am 5. Dezember 2020 in Bremen \u2013 Bildrechte: Pixelarchiv<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Vorbereitungen traf man sich damals in <a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/5744\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Arnolds Wohnung<\/a>. Auch er nahm an den rassistischen Kundgebungen von MMW in Hamburg teil, sowie j\u00fcngst an einer verschw\u00f6rungsideologischen Kundgebung in Bremen. Dass die besagte \u201eWeihnachtsfeier\u201c des MMW-Organisationskreises in unmittelbarer N\u00e4he zum Wohnort von Michael Arnold ausgerichtet wurde, wird kein Zufall sein. Dass Arnold selbst bei dem Treffen anwesend war ist wahrscheinlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Mitte Dezember plante man ein Treffen zun\u00e4chst bei Ebel. Es wird auf den 8. Februar 2020 in Minden verschoben. Auf Nachfrage, wer zum Treffen kommen w\u00fcrde, spricht Somogyi im Januar u.a. von <em>\u201eThorsten, Ralf und Togger\u201c<\/em>. Nur drei Tage vor dem folgenschweren Treffen \u00fcberlegte Kempf, seine Lebensgef\u00e4hrtin ebenfalls nach Minden einzuladen, damit sie sich mit der Lebensgef\u00e4hrtin eines weiteren Mitglieds austauschen k\u00f6nne. Warum Kempf, Eitelbach und Gordlo letztlich nicht an dem Treffen teilnahmen, ist nicht bekannt. Alle Teilnehmenden sitzen heute in U-Haft und erwarten am 13. April 2021 ihren Prozess in Stuttgart-Stammheim<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber den Inhalt des Treffens in Minden wurden Eitelbach und Kempf jedoch nur vier Tage sp\u00e4ter \u2013 am 12. Februar 2020 &#8211; von Ebel in Kenntnis gesetzt. Er berichtet, dass es gut gewesen sei und die Strukturen weiter ausgebaut werden w\u00fcrden. Sie h\u00e4tten schon Waffen und br\u00e4uchten noch mehr. Thorsten Kempf, der in dem Verfahren lediglich als Zeuge gef\u00fchrt wird, gibt sp\u00e4ter bei der Polizei an, dass er von Ebel nach Waffen gefragt worden sei, er aber gesagt habe, dass es von ihm keine g\u00e4be. Er h\u00e4tte <em>\u201ekein Bock\u201c<\/em> auf die Pl\u00e4ne der Gruppe gehabt, gibt er weiterhin an. Dies steht in eindeutigem Widerspruch zu seiner bisherigen Aktivit\u00e4t innerhalb der Gruppe und der von ihm geteilten extrem rechten Gesinnung. Eine offensichtlich v\u00f6llig unglaubw\u00fcrdige Schutzbehauptung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die Ermittler:innen am 14. Februar 2020 zuschlagen und bundesweit Razzien gegen die \u00abGruppe S.\u00bb durchf\u00fchren, k\u00f6nnen die drei aus dem MMW-Orga-Team aufatmen. Sie sind nicht betroffen, ja gar davongekommen. Stattdessen erhalten sie Einladungen zur Zeugenbefragung. Ein alter Freund von Ralph Eitelbach &#8211; ein Polizist namens Dietmar aus Trittau &#8211; schickt ihm die Vorladung sogar per Whats-App. W\u00e4hrend die Wohnr\u00e4ume von Tony Ebel im nieders\u00e4chsischen Ort Wriedel durchsucht werden, tauchten u.a. Neonazis aus Hamburg zur Unterst\u00fctzung auf. Sie <a href=\"https:\/\/antifa-lg-ue.org\/2020\/02\/15\/razzia-gegen-mutmassliche-rechte-terrorgruppe\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">bedrohten Anwohner:innen<\/a> sowie Pressevertreter:innen.<\/p>\n<div id=\"attachment_7057\" style=\"width: 1210px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Thomas-Gardlo-und-Thorsten-und-Kempf-bei-Querdenken-40-am-13.-M\u00e4rz-2021-in-Hamburg-Bildrechte-Pixelarchiv.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7057\" class=\"wp-image-7057 size-full\" src=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Thomas-Gardlo-und-Thorsten-und-Kempf-bei-Querdenken-40-am-13.-M\u00e4rz-2021-in-Hamburg-Bildrechte-Pixelarchiv.jpg\" alt=\"\" width=\"1200\" height=\"800\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7057\" class=\"wp-caption-text\">Thomas Gardlo (mitte) und rechts neben ihm Thorsten Kempf bei \u00abQuerdenken 40\u00bb am 13. M\u00e4rz 2021 in Hamburg \u2013 Bildrechte: Pixelarchiv<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass sich das norddeutsche Netzwerk um Gardlo, Kempf und Eitelbach unangreifbar f\u00fchlt, verdeutlicht die Teilnahme an einer j\u00fcngst von \u00abQuerdenken 40\u00bb organisierten, verschw\u00f6rungsideologischen Kundgebung im M\u00e4rz 2021 in Hamburg. Gewohnt selbstbewusst und ohne Scheu, reisten die drei gemeinsam mit einer ca. 40-k\u00f6pfigen Gruppe, bestehend aus Personen aus dem rechten Hooligan- und Rotlichtmilieu zu dieser Veranstaltung an. Schon im Vorfeld hatte Gardlo in der Facebook-Gruppe \u00abMerkel muss weg\u00bb zur Teilnahme aufgerufen.<\/p>\n<div id=\"attachment_7082\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Thomas-Gardlo-Bekenntnis-in-der-Facebook-Gruppe-\u201eMerkel-Muss-Weg-HAMBURG-DEMO\u201c-Screenshot.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7082\" class=\"size-medium wp-image-7082\" src=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Thomas-Gardlo-Bekenntnis-in-der-Facebook-Gruppe-\u201eMerkel-Muss-Weg-HAMBURG-DEMO\u201c-Screenshot-300x251.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"251\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7082\" class=\"wp-caption-text\">Thomas Gardlo Bekenntnis in der Facebook-Gruppe \u201eMerkel Muss Weg &#8211; HAMBURG DEMO\u201c &#8211; Screenshot<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Nachgang der Kundgebung schrieb ein Mitglied dieser FB-Gruppe: <em>\u201eBewaffnet Euch, sonst werdet ihr untergehen!\u201c<\/em>. Gardlo entgegnete: <em>\u201eBin in Hamburg dabei und viele meine Kameraden\/Freundeund Weggef\u00e4hrten. Ahoi!\u201c<\/em>. (Fehler im Original) Als der Twitter-Account \u00abAntira Info Hamburg\u00bb diese Kommunikation \u00f6ffentlich machte, l\u00f6scht Gardlo seinen Account umgehend, um sp\u00e4ter behaupten zu k\u00f6nnen, dass dieser von Facebook gel\u00f6scht worden sei. Das un\u00fcberlegte Bekenntnis Teil einer bewaffneten Gruppe zu sein, erschien ihm im Nachgang wohl doch etwas zu heikel gewesen zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Hamburg (LfV) am 30. M\u00e4rz 2021 seinen Bericht f\u00fcr das Jahr 2020 vorstellte, wird auch ausf\u00fchrlich auf die \u00abGruppe S.\u00bb eingegangen. Zudem behauptet das LfV in Bezug auf die \u201eMerkel muss weg\u201c-Veranstaltungsreihe: <em>\u201eDas LfV hatte die \u00d6ffentlichkeit fr\u00fchzeitig informiert und kontinuierlich \u00fcber den rechtsextremistischen Hintergrund der Versammlungsreihe berichtet.\u201c. <\/em>Die Verbindungen zwischen den Gruppen werden nicht gezogen. Die j\u00fcngsten Entwicklungen und Verstrickungen zur rechtsterroristischen Gruppierung werden der \u00d6ffentlichkeit verschwiegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Strategie, die seit jeher von der Beh\u00f6rde verfolgt wird: das Offensichtliche als Neuerkenntnis pr\u00e4sentieren, obwohl antifaschistische Recherchen und zivil-gesellschaftliche B\u00fcndnisse schon l\u00e4nger die m\u00f6glichen Gefahren, wie auch ihren Ursprung offen legen. Auch das Netzwerk, welches erst Strukturen wie die \u00abGruppe S.\u00bb erm\u00f6glicht, f\u00e4llt bei den Beh\u00f6rden in den Hintergrund der Betrachtung. Eine Kontinuit\u00e4t, die ebenso in der Strafverfolgung ersichtlich ist und einer \u00d6ffentlichkeit sp\u00e4testens im Prozess gegen den \u00abNationalsozialistschen Untergrund\u00bb (NSU) bewusst geworden sein muss. Denn auch der NSU war nicht zu dritt, sondern konnte seine Morde, Raub\u00fcberf\u00e4lle und Anschl\u00e4ge nur durch ein breites Unterst\u00fctzer:innen-Netzwerk \u00fcber Jahre hinweg ausf\u00fchren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte der \u00abGruppe S.\u00bb liest sich wie eine nervenaufreibende Netflix-Serie und ist doch bittere Realit\u00e4t: Ein Informant meldet sich beim Verfassungsschutz, will rechtsterroristische Bestrebungen melden und wird ignoriert. 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