{"id":6746,"date":"2020-08-18T15:03:31","date_gmt":"2020-08-18T13:03:31","guid":{"rendered":"https:\/\/exif-recherche.org\/?p=6746"},"modified":"2020-08-19T13:37:13","modified_gmt":"2020-08-19T11:37:13","slug":"rechtsterrorist-martin-wiese-auf-querdenken-demonstration-in-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/exif-recherche.org\/?p=6746","title":{"rendered":"Rechtsterrorist Martin Wiese auf \u00abQuerdenken\u00bb-Demonstration in Berlin"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Martin Wiese, erlangte 2003 internationale Bekanntheit, als er und acht weitere Neonazis einen Sprengstoffanschlag auf die Veranstaltung zur Grundsteinlegung des J\u00fcdischen Kulturzentrums in M\u00fcnchen planten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 1. August 2020 zogen \u00fcber 20.000 Verschw\u00f6rungsideolog:innen durch Berlin, um gegen die Ma\u00dfnahmen der Regierung zur Eind\u00e4mmung des Coronavirus zu protestieren. Unter denen, die sich auf diesem Event als \u00abQuerdenker\u00bb und Verteidiger:innen des Grundgesetzes inszenierten, waren haufenweise extrem Rechte: Funktion\u00e4rInnen der NPD, Kameradschafts-Mitglieder und sogenannte \u00abReichsb\u00fcrger\u00bb. Zwischen schwarz-wei\u00df-roten Reichsfahnen und \u201eKill Bill Gates\u201c- Plakaten reihte sich auch der Rechtsterrorist Martin Wiese in den Aufzug ein.<\/p>\n<div id=\"attachment_6757\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/1.-August-2020-Dirk-Bahlmann-2.v.l.-und-Martin-Wiese-in-Berlin-Bildrechte-Pixelarchiv.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6757\" class=\"size-medium wp-image-6757\" src=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/1.-August-2020-Dirk-Bahlmann-2.v.l.-und-Martin-Wiese-in-Berlin-Bildrechte-Pixelarchiv-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6757\" class=\"wp-caption-text\">1. August 2020: Dirk Bahlmann (2.v.l.) und Martin Wiese in Berlin &#8211; Bildrechte: Pixelarchiv<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wiese, der heute wieder in Mecklenburg-Vorpommern lebt, war bei der \u00abQuerdenken\u00bb-Demonstration am 1. August 2020 in Berlin in einem Neonazi-Shirt mit dem Symbol der sogenannten \u201eSchwarzen Sonne\u201c (einem zw\u00f6lfarmigen Hakenkreuz) und der Aufschrift \u201ePommern niemals Knecht\u201c unterwegs. Er wurde von <a href=\"https:\/\/www.endstation-rechts.de\/news\/loecknitz-neonazi-treff-wird-geschlossen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Dirk Bahlmann<\/a> aus L\u00f6cknitz (Mecklenburg-Vorpommern) begleitet, ein alter Bekannter von Wiese, gegen den 2003 auch wegen der Anschlagsplanung auf das J\u00fcdische Kulturzentrum ermittelt wurde. Bahlmann soll Wiese damals Waffen verschafft haben, unter anderem war er von Wiese um die Beschaffung einer Handgranate gebeten worden. Wiese und Bahlmann sind in einem <a href=\"https:\/\/www.rbb-online.de\/kontraste\/archiv\/kontraste-vom-06-08-2020\/wie-die-corona-leugner-szene-sich-radikalisiert.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Video des ARD-Magazins Kontraste<\/a> zu sehen. Wiese schreit der ARD Journalistin ins Mikrofon: \u201eLug und Betrug\u201c. Von der Seite droht ihr Bahlmann: \u201eIhr werdet noch abgeurteilt!\u201c. Auf die Nachfrage der Journalistin \u201evon wem?\u201c entgegnet er: \u201eWarte ab\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der 1976 in Anklam (Mecklenburg-Vorpommern) geborene Martin Wiese trat bereits im Alter von 16 Jahren als militanter Neonazi in Erscheinung. Im August 1992 beteiligte er sich an den tagelangen Angriffen und Brandanschl\u00e4gen auf eine Unterkunft von Gefl\u00fcchteten und ein Wohnheim f\u00fcr ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiter:innen in Rostock-Lichtenhagen. 1998 zog er von Mecklenburg-Vorpommern nach Bayern, wo er sich 2002 zum F\u00fchrer der heute verbotenen \u00abKameradschaft S\u00fcd\u00bb aufschwang.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gruppe veranstaltete paramilit\u00e4rische Trainings und war insbesondere im Bereich der \u00abAnti-Antifa\u00bb umtriebig: Unter anderem besorgten sie sich pers\u00f6nliche Daten politischer Gegner:innen und sp\u00e4hten deren Lebensgewohnheiten aus. F\u00fcr den geplanten Anschlag auf das j\u00fcdische Kulturzentrum k\u00fcmmerte sich Wiese in erster Linie um die Beschaffung von Waffen und Sprengstoff. Die Gruppe <a href=\"https:\/\/www.antifainfoblatt.de\/artikel\/der-v-mann-didier-magnien\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">plante einen \u201egro\u00dfen Bumm\u201c<\/a> bei dem m\u00f6glichst viele Menschen get\u00f6tet werden sollten, gesprochen wurde von 2.000 Personen. Zum F\u00fchrungskreis der \u00abKameradschaft S\u00fcd\u00bb z\u00e4hlte auch der Neonazi Didier Magnien. Er drillte die Truppe in paramilit\u00e4rischen Trainings, besorgte mit Wiese Waffen und spitzelte als <a href=\"https:\/\/www.antifainfoblatt.de\/artikel\/terrorpl%C3%A4ne-vor-gericht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">V-Mann<\/a> f\u00fcr den bayerischen Verfassungsschutz.<\/p>\n<div id=\"attachment_6750\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Martin-Wiese-im-\u201eFreiheit-f\u00fcr-Wolle\u201c-T-Shirt-beim-\u201eTh\u00fcringentag-der-nationalen-Jugend\u201c-in-Kahla-Juni-2013-Bildrechte-linksunten.indymedia.org-CC-BY-NC-SA-2.0.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6750\" class=\"wp-image-6750 size-medium\" src=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Martin-Wiese-im-\u201eFreiheit-f\u00fcr-Wolle\u201c-T-Shirt-beim-\u201eTh\u00fcringentag-der-nationalen-Jugend\u201c-in-Kahla-Juni-2013-Bildrechte-linksunten.indymedia.org-CC-BY-NC-SA-2.0-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6750\" class=\"wp-caption-text\">Martin Wiese im \u201eFreiheit f\u00fcr Wolle\u201c T-Shirt beim \u201eTh\u00fcringentag der nationalen Jugend\u201c in Kahla, Juni 2013 &#8211; Bildrechte: linksunten.indymedia.org CC BY-NC-SA 2.0<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil der V-Mann die Pl\u00e4ne auffliegen lie\u00df, konnte der Terroranschlag verhindert werden. Die \u00abKameradschaft S\u00fcd\u00bb wurde verhaftet und zerschlagen, sieben Mitglieder erhielten mehrj\u00e4hrige Haftstrafen. Martin Wiese musste wegen der R\u00e4delsf\u00fchrerschaft in einer terroristischen Vereinigung f\u00fcr sieben Jahre ins Gef\u00e4ngnis. W\u00e4hrend seiner Haftzeit wurde er von der neonazistischen \u00abHilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige\u00bb (HNG) betreut. Nach seiner Haftentlassung 2010 war Wiese in Niederbayern wohnhaft und beim \u00abFreien Netz S\u00fcd\u00bb (FNS) aktiv. F\u00fcr einige Jahre pr\u00e4gte er als Redner und Organisator die Entwicklung dieser militanten und damals umtriebigsten bayerischen Neonazistruktur ma\u00dfgeblich mit. Auch \u00fcberregional trat Wiese auf, beispielsweise hielt er eine Rede beim \u00abTh\u00fcringentag der nationalen Jugend\u00bb in Kahla im Juni 2013. <a href=\"https:\/\/www.antifainfoblatt.de\/artikel\/betreiber-von-bloodline-streetwear-vor-gericht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Dort trug er ein T-Shirt mit der Aufschrift \u201eFreiheit f\u00fcr Wolle\u201c<\/a>, das in der Neonaziszene aus Solidarit\u00e4t mit dem NSU-Mitglied Ralf \u201eWolle\u201c Wohlleben getragen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach seiner Haftzeit blieb Wiese nicht lange straffrei. Schon im Mai 2012 wurde er unter anderem wegen Bedrohung und Volksverhetzung zu einem Jahr und neun Monaten Haft verurteilt. Er hatte im Sommer 2011 auf einer Kundgebung mehreren Journalist:innen ihr Todesurteil durch einen \u201eVolksgerichtshof\u201c angedroht. In einem Berufungsverfahren im September 2013 wurde das Urteil auf ein Jahr und drei Monate verringert, im Juni 2014 trat er die Haft an. Im Februar 2015 wurde der Strafrest zur Bew\u00e4hrung ausgesetzt und ab Mitte 2015 meldete sich Wiese in Sozialen Netzwerken wieder zu Wort, \u00f6ffentlich trat er jedoch kaum auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Mai 2019 kassierte Martin Wiese eine weitere Bew\u00e4hrungsstrafe, trotz einer noch laufenden Bew\u00e4hrungsfrist. Dieses Mal hatte er gegen das Waffengesetz versto\u00dfen. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, dass er 2016 und 2017 Zugang zu \u00fcber 150 Waffen und Munition hatte. Wegen seiner Vorgeschichte ist Wiese mit einem erweiterten Waffenverbot belegt. Im Februar 2017 wurde in Abensberg (Niederbayern) das Elternhaus seiner Lebenspartnerin, in dem auch Martin Wiese lebte, von der Polizei durchsucht, weil ein Tippgeber die Polizei auf zahlreiche verbotene Waffen in dem Anwesen der Familie hinwies. Der Vater seiner Partnerin, der ehemalige Waffenh\u00e4ndler Maximilian Listl, ist ebenfalls als Rechter bekannt und bei der \u00abBayernpartei\u00bb aktiv. Weil Wiese die Waffen angeblich aus dem Haus haben wollte, half er eine Pumpgun auf einem anderen Grundst\u00fcck der Familie zu vergraben. Wiese behauptete im Prozess, seit f\u00fcnf Jahren nicht mehr politisch aktiv zu sein und keine Kontakte mehr zur rechten Szene zu haben. \u00dcber den Verbleib von sieben Waffen, die bei der Razzia nicht gefunden wurden, konnte er keine plausiblen Angaben machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 29. August soll die zweite Gro\u00dfdemonstration der \u00abQuerdenken\u00bb-Bewegung in Berlin stattfinden. In sozialen Netzwerken gibt es zahlreiche Aufrufe, in denen Tag X-Szenarien heraufbeschworen werden. So sprechen und schreiben Meinungsf\u00fchrer:innen der Bewegung beispielsweise davon, dass an diesem Tag der \u201eDeep State\u201c vernichtet werden soll . Ein Narrativ das vermutlich auch Rechtsterroristen wie Martin Wiese erneut nach Berlin locken wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Martin Wiese, erlangte 2003 internationale Bekanntheit, als er und acht weitere Neonazis einen Sprengstoffanschlag auf die Veranstaltung zur Grundsteinlegung des J\u00fcdischen Kulturzentrums in M\u00fcnchen planten. Am 1. 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