{"id":10702,"date":"2023-03-28T07:00:20","date_gmt":"2023-03-28T05:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/exif-recherche.org\/?p=10702"},"modified":"2023-03-28T08:11:48","modified_gmt":"2023-03-28T06:11:48","slug":"14-jahre-von-den-behoerden-gedeckelt-rechtsrock-im-alten-gasthof-in-staupitz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/exif-recherche.org\/?p=10702","title":{"rendered":"14 Jahre von Beh\u00f6rden geduldet &#8211; RechtsRock im \u00abAlten Gasthof\u00bb in Staupitz"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Viel wurde in den letzten Monaten \u00fcber die Neonazi-Location im nords\u00e4chsischen Torgau OT Staupitz gesagt und geschrieben. \u201eChronik.LE\u201c ver\u00f6ffentlichte ein <a href=\"https:\/\/chronikle.org\/dossiers\/rechts-rockt-staupitz-bereits-seit-14-jahren\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dossier<\/a>, Lokalzeitungen berichteten fast monatlich \u00fcber die Entwicklungen vor Ort und Diskussionsveranstaltungen zum Thema wurden durchgef\u00fchrt. Zudem stoppten Antifaschist*innen im Oktober 2022 im Rahmen einer <a href=\"https:\/\/twitter.com\/WirsindalleLinx\/status\/1583873582454648832\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bus-Tour<\/a> in Staupitz, verteilten Flyer und hielten eine Kundgebung ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was in diesen Berichterstattungen jedoch oft fehlt, ist die Herausstellung, Einordnung und Analyse zentraler Akteure und deren Netzwerke. G\u00e4nzlich fehlt dabei auch, dass sich Staupitz zum legalen Treffpunkt europaweit agierender Organisationen entwickeln konnte, von \u00abBlood &amp; Honour\u00bb bis \u00abHammerskin Nation\u00bb. Gruppen, die seit den 1980er Jahren bestehen und deren Mitglieder seitdem durch rassistisch motivierte Gewalttaten \u2013 bis hin zu Mord \u2013 auffallen. Netzwerke, denen nicht zuletzt zentrale AkteurInnen des rechts-terroristischen NSU-Komplex angeh\u00f6ren. Nur dank kontinuierlicher, antifaschistischer Recherchen vor Ort, Beobachtungen und internen Einblicken ist eine umfangreiche Analyse m\u00f6glich. Ein Blick zur\u00fcck, denn seit Februar 2023 ist ungewiss, wie es im \u00abAlten Gasthof\u00bb weiter geht, da die zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden dem Betreiber das Gewerbe entzogen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>Die Anf\u00e4nge<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als der Gasthof Mitte der 2000er Jahre seinen gastronomischen Betrieb einstellte, befand sich die deutsche RechtsRock-Szene in einer Hoch-Zeit. \u00dcber <a href=\"https:\/\/www.apabiz.de\/wp-content\/uploads\/Monitor_Nr24.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">255 Konzerte<\/a> und Liedermacher-Abende fanden 2005 bundesweit statt, mindestens 78 davon in Sachsen. Dass der Freistaat schon damals ein Hotspot war, lag an der Vielzahl der von Neonazis genutzten Objekten, vor allem in Ostsachsen und im Vogtland.<\/p>\n<div id=\"attachment_10714\" style=\"width: 1210px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Der-Alte-Gasthof-in-Staupitz-2012.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10714\" class=\"wp-image-10714 size-full\" src=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Der-Alte-Gasthof-in-Staupitz-2012.jpg\" alt=\"\" width=\"1200\" height=\"799\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10714\" class=\"wp-caption-text\">Der \u00abAlte Gasthof\u00bb in Staupitz 2012<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch im Norden Sachsen, dort wo der \u00abAlte Gasthof\u00bb in Staupitz liegt, unterhielt die Szene in dieser Zeit eigene Treffpunkte, etwa <a href=\"https:\/\/www.inventati.org\/leipzig\/?p=3575\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">in Wurzen<\/a>, Leipzig-Gro\u00dfzschocher, Delitzsch-D\u00f6bernitz und vor allem in Schildau. 6 Fahrtminuten s\u00fcdlich von Staupitz entfernt betrieb dort die Kameradschaft \u00abSchildauer Jungs\u00bb zwischen 2005 und 2008 eine eigene Location, in der mindestens 24 Konzerte stattfinden konnten. Da ein Gro\u00dfteil der Objekte aufgrund von baubeh\u00f6rdlichen Auflagen schlie\u00dfen musste, trat der \u00abAlte Gasthof\u00bb in einer g\u00fcnstigen Zeit in Erscheinung.<\/p>\n<div id=\"attachment_10716\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Flyer-fuer-das-erste-bekannte-Konzert-im-Alten-Gasthof-in-Staupitz-am-12.-April-2008.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10716\" class=\"size-medium wp-image-10716\" src=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Flyer-fuer-das-erste-bekannte-Konzert-im-Alten-Gasthof-in-Staupitz-am-12.-April-2008-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10716\" class=\"wp-caption-text\">Flyer f\u00fcr das erste bekannte Konzert im \u00abAlten Gasthof\u00bb in Staupitz am 12. April 2008<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eRock The System \u2013 Fuck the Police\u201c hei\u00dft es auf dem Flyer f\u00fcr ein Konzert am 12. April 2008. Neben der bekannten Cottbuser Band \u00abFrontalkraft\u00bb und den deutschen Newcomern \u00abRacial Purity\u00bb und \u00abFight Tonight\u00bb ist auch \u00abHatelordz\u00bb angek\u00fcndigt &#8211; eine Band aus dem Umfeld der NS-Hardcore-Kultband \u00abH8Machine\u00bb aus New Jersey (USA). Rund 200 Neonazis sollen erschienen sein, glaubt man den Angaben des s\u00e4chsischen Geheimdienstes (Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz). Es ist das erste nachweisbare Konzert, das im \u00abAlten Gasthof\u00bb statt fand. Staupitz selbst geh\u00f6rte damals noch zu Pfl\u00fcckuff, bevor es von Torgau eingemeindet wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurze Zeit sp\u00e4ter, am 21. Juni 2008, wurde die Staupitzer Immobilie erneut zum Austragungsort eines Konzertes. Bis zu 400 Neonazis sollen in der Location, die weniger als eine Stunde Autofahrt nord\u00f6stlich von Leipzig entfernt liegt, zusammen gekommen sein. Das entspricht ungef\u00e4hr der Anzahl von Personen, die sich noch am Nachmittag in Dresden befand. Dort sollte der \u201eJN-Sachsentag\u201c der Jugendorganisation der NPD stattfinden, doch unterblieb dieser aufgrund <a href=\"https:\/\/naziwatchdd.noblogs.org\/post\/2008\/08\/01\/jn-sachsentag-ausgefallen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">eines Verbots<\/a> der Stadtverwaltung. Alle Versuche, an diesem Tag eine Kundgebung mit RednerInnen und Bands in Dresden durch zu f\u00fchren, scheiterten. So geschah es, dass anstelle die Information verbreitet wurde, dass man sich auf den Weg in Richtung Torgau machen soll. Neonazis aus ganz Deutschland und u.a. aus der Schweiz, \u00d6sterreich und aus Tschechien kamen so doch noch auf ihre Kosten und konnten die Bands \u00abSaga\u00bb (Schweden) und \u00abYoungland\u00bb (USA), sowie die deutsche Band \u00abSleipnir\u00bb letztendlich live in Staupitz sehen.<\/p>\n<div id=\"attachment_10719\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Konzert-von-Kategorie-C-in-Staupitz-im-Juli-2012.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10719\" class=\"wp-image-10719 size-medium\" src=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Konzert-von-Kategorie-C-in-Staupitz-im-Juli-2012-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10719\" class=\"wp-caption-text\">Konzert von \u00abKategorie C\u00bb in Staupitz im Juli 2012<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Geb\u00e4ude war zum Zeitpunkt weder modernisiert noch erf\u00fcllte es die Standards als Event-Location. Ein paar Events gingen noch \u00fcber die B\u00fchne, etwa ein NS-Hardcore-Konzert u.a. mit \u00abFear Rains Down\u00bb (USA\/Deutschland) am 31. Januar 2009 und ein von rund 300 Neonazis besuchtes Konzert u.a. mit \u00abOidoxie\u00bb aus Dortmund Ende Februar 2009. Mitte 2009 wurde es dann schlagartig ruhig in Staupitz. Offenbar hatten die Beh\u00f6rden dem Eigent\u00fcmer erstmals die Auflagen zur Durchf\u00fchrung von Veranstaltungen mitgeteilt. 2010 hie\u00df es gar, das Geb\u00e4ude sei baupolizeilich geschlossen worden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Szene st\u00f6rte dies zum Zeitpunkt kaum, denn sie hatte sich weitere Locations erschlossen: die Gastst\u00e4tte \u00abZur Deutschen Eiche\u00bb im osts\u00e4chsischen Rothenburg OT Geheege, sowie den Gasthof Zollwitz in Zschadra\u00df OT Hausdorf bei Colditz, s\u00fcd\u00f6stlich von Leipzig. Fast monatlich konnten an beiden Orten Konzerte mit bis zu 300 TeilnehmerInnen stattfinden \u2013 in Hausdorf bis zur baupolizeilichen Sperrung 2011 und in Geheege bis zur Schlie\u00dfung 2012.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>Der Eigent\u00fcmer<\/strong><\/h3>\n<div style=\"float: right; padding-left: 0px;\"><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er setzte all das um, was die Beh\u00f6rden von ihm verlangt hatten: der Nutzung entsprechender Schall-und Brandschutz, eine Bel\u00fcftungsanlage und auch das Dach hatte er saniert. 40.000 Euro soll das Ganze gekostet haben. Mit dem Gr\u00f6bsten war er damit durch, sodass der \u00abAlte Gasthof\u00bb am 15. Januar 2011 wieder \u00f6ffnen konnte, u.a. mit einem Konzert der Band \u00abPerspektive Hass\u00bb vor rund 120 zahlenden G\u00e4sten. Laut einer parlamentarischen Auskunft habe sogar schon im Dezember 2010 ein Konzert mit der tschechischen Band \u00abLegion S\u00bb in Staupitz stattgefunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen neuen Putz wolle er auch noch auf die Fassade machen, erz\u00e4hlt ein Anwohner im Fr\u00fchjahr 2016 der \u201eRheinischen Zeitung\u201c. \u201eEr\u201c, damit ist <strong>Andreas Becker<\/strong> (*1984) gemeint, der den \u00abAlten Gasthof\u00bb in Staupitz laut eigener Aussage gemeinsam mit seinem Vater Frank Becker von der Gemeinde erworben hatte. Die grundlegenden Sanierungs-und Modernisierungsma\u00dfnahmen f\u00fchrte er 2009 und 2010 durch. Offenbar hofften Polizei und Ordnungsamt damals, dass Becker die verh\u00e4ngten Auflagen nicht einhalten kann und der RechtsRock aus Staupitz von allein verschwindet. Doch Becker, dessen Haupteinnahmequelle die Vermietung des \u00abAlten Gasthofs\u00bb zu sein scheint, erf\u00fcllte nach Ansicht kommunaler Beh\u00f6rden von Anfang an die Anforderungen. Er erhielt eine Konzession, die ihn berechtigte Veranstaltungen durchzuf\u00fchren, samt Ausschank und Verk\u00f6stigung. Bis zu 55.000 Euro k\u00f6nnen im \u00abAlten Gasthofs\u00bb j\u00e4hrlich allein mit Eintrittsgeldern umgesetzt werden. 6.000 Euro pro Konzert, geht man von 240 Teilnehmenden und einem in der Szene \u00fcblichen Eintritt von 25 Euro aus. Hinzu kommen Einnahmen durch Getr\u00e4nke und Speisen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben der Instandsetzung des Geb\u00e4udes k\u00fcmmerte sich Becker zudem um die Anmeldung der Konzerte bei der Stadt Torgau. Beckers Vater, ebenfalls im Ort als \u201eRechter\u201c bekannt, trat diesbez\u00fcglich nie in Erscheinung. Hingegen half <strong>Corina Becker<\/strong> regelm\u00e4\u00dfig mit, wenn der \u00abAlte Gasthof\u00bb bespielt wird. Sie trat vor rund 10 Jahren in Andreas Beckers Leben, 2021 heirateten beide. Im RechtsRock-Familienbetrieb steht sie keineswegs in seinem Schatten. Selbstbewusst begr\u00fc\u00dfte sie Bands und VeranstalterInnen und ist in interne und strukturelle Abl\u00e4ufe eng eingebunden. Sie d\u00fcrfte auch zu \u201eden Frauen von der Bar\u201c geh\u00f6ren, denen f\u00fcr ihr Mitwirken in internen Konzertberichten gedankt wird. \u201eAlter Gasthof Staupitz \u2013 Crew\u201c stand auf den T-Shirts, die Corina Becker, ihr Ehepartner, sowie weitere Helfende seit geraumer Zeit bei Konzertanl\u00e4ssen trugen. Letztere, bislang unbekannte Personen, scheinen in unmittelbarer Umgebung zu wohnen, kamen meist zu Fu\u00df oder mit dem Rad zum \u00abAlten Gasthof\u00bb, als dort der Aufbau der Konzertveranstaltungen begann.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>Beste Lage <\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob Andreas und Corina Becker mit ihrem Kleinkind derzeit in der Immobilie wohnen ist unklar. Dass die beiden zu den Konzerten extra mit dem Auto vorgefahren kamen spricht nicht daf\u00fcr, wie auch die Abschottung des mutma\u00dflichen Wohnbereichs. Auch au\u00dferhalb des Konzertgeschehens sind die Fenster im Untergeschoss stets durch Jalousien verbarrikadiert.<\/p>\n<div style=\"float: right; padding-left: 0px; padding-bottom: 0px;\"><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mitten in Staupitz gelegen, umgeben von der Dorfstra\u00dfe und der Torgauer Stra\u00dfe, besitzt das zweist\u00f6ckige Haupthaus des \u00abAlten Gasthofs\u00bb eine Grundfl\u00e4che von fast 600 m\u00b2. Der Saal, sowie die w\u00e4hrend den Konzerten genutzten Nebenr\u00e4ume, d\u00fcrften davon rund zwei Drittel einnehmen. Der Rest geh\u00f6rt zum mutma\u00dflichen Wohnbereich der Beckers. Bis mindestens 2013 befand sich im Geb\u00e4ude des \u00abAlten Gasthofs\u00bb zudem ein Mini-Markt, dessen Fl\u00e4chen Becker erst sp\u00e4ter erwarb. Ein Anbau, der rund 150 m\u00b2 misst und vermutlich als Lager dient, grenzt mit dem Hauptgeb\u00e4ude den Hof von zwei Seiten ein. Der Hof selbst ist seit einigen Jahren zur Stra\u00dfe hin eingez\u00e4unt und besitzt eine Fl\u00e4che von rund 90 m\u00b2. Kleine Buden und Stehtische, \u00e4hnlich eine Art Freiluft-Bar, findet man dort vor. Links neben dem Eingang des Hofes parkten meist die VeranstalterInnen, die Bands und der Sicherheitsdienst. Auch der Vorplatz des ehemaligen Mini-Marktes und die Parkbuchten an der Torgauer Stra\u00dfe entlang des Geb\u00e4udes sind f\u00fcr die Crew und deren Umfeld reserviert. Die BesucherInnen standen mit ihren Autos hingegen in den umliegenden Stra\u00dfen des \u00abAlten Gasthofs\u00bb. Ein Schild mit dem Hinweis \u201eKonzert Parken\u201c wies auf den mehr oder minder offiziellen Parkplatz, den Tauraer Weg. Bis zu 50 Autos s\u00e4umten an Konzertabenden die schmale Stra\u00dfe in Richtung des Waldes. Manchmal postierten die OrganisatorInnen sogar Einweiser auf die Kreuzung vor der Neonazi-Location. Alles wirkte sehr routiniert und einstudiert. Nach au\u00dfen drang w\u00e4hrend den Konzerten kaum ein Ton, nur zwischen den Auftritten tummelten sich die Neonazis im Hof, auf dem Gehweg und an den Parkpl\u00e4tzen. Dann war es verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig laut, gegr\u00f6hlt wurde kaum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Polizei war w\u00e4hrend der Konzerte mit ein, zwei Mannschaftsw\u00e4gen vor Ort. Jedoch konnte auch schon festgestellt werden, dass diese erst sehr sp\u00e4t eintraf oder an manchen Abenden g\u00e4nzlich zu fehlen schien. Waren Kr\u00e4fte anwesend, positionierten sich diese nur selten in unmittelbarer N\u00e4he zum Objekt, sondern fanden sich meist einige hundert Meter entfernt ein. Ins Geschehen wurde nicht eingegriffen. Lediglich nach den Konzerten kam es vereinzelt zu Verkehrskontrollen. Ganze zw\u00f6lf Beamte werde man einsetzen, hei\u00dft es im Vorfeld eines Konzerts am 4. Februar 2023 von Seiten einer Sprecherin der Polizei in der Leipziger Volkszeitung. Der Artikel suggeriert, dass die Kommune und die Polizei nun \u201eso richtig durchgreifen\u201c w\u00fcrden, ihre Taktik grundlegend ver\u00e4ndert h\u00e4tten. Am Abend selbst war das Auftreten der Polizei gewohnt zur\u00fcckhaltend, kein Anzeichen von au\u00dfergew\u00f6hnlichen Kontrollen oder hoher Pr\u00e4senz im Ort. Und selbst wenn, war die Polizei ein \u00fcberschaubares und hinnehmbares \u00dcbel f\u00fcr Andreas Becker. Vielmehr mache er sich um \u201em\u00f6gliche \u00dcberraschungsbesuche (\u2026) aus Connewitz\u201c Gedanken, wie er im Juni 2021 der Torgauer Zeitung mitteilt. Seine Immobilie war schlie\u00dflich 2016 und 2017 Angriffsziel von Antifaschist*innen. Butters\u00e4ure im Innenraum des Objekts, kaputte Fenster und zwei durch Feuer zerst\u00f6rte Autos waren das Ergebnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eZum Objektschutz\u201c, so Becker, habe er im Sommer 2021 den umz\u00e4unten Hof zus\u00e4tzlich mit NATO-Draht versehen. Ein kostspieliger und martialisch wirkender Umbau. Auch \u00dcberwachungskameras lie\u00df er installieren, die in Richtung des Hofes zeigen. Den Stacheldraht musste er mittlerweile zur\u00fcckbauen, da diese Art der Einfriedung nicht \u201eorts\u00fcblich\u201c sei. Die Kameras blieben.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>Menschenverachtung unter Auflagen<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zehn Mal im Jahr, an jeweils h\u00f6chstens zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden konnten in Staupitz Konzerte stattfinden. Pro Veranstaltung durften maximal 239 Personen anwesend sein und ein Betriebstagebuch sei zu f\u00fchren. Auflagen, die Andreas Becker seit Anfang der 2010er Jahre einzuhalten hatte. Die Konzerttermine wurden im Vorhinein den Beh\u00f6rden mitgeteilt, wie auch die Bands und deren Set-List. Becker arbeite \u201e\u00fcber das Ma\u00df\u201c mit den Beh\u00f6rden \u201ekonstruktiv zusammen\u201c, beschreibt die Leiterin des Torgauer Ordnungsamtes das Verh\u00e4ltnis mit ihm in der Leipziger Volkszeitung im Februar 2023.<\/p>\n<div id=\"attachment_10721\" style=\"width: 1210px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Konzert-der-NSHC-Band-Terrorsphaera-in-Staupitz-im-Oktober-2014.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10721\" class=\"wp-image-10721 size-full\" src=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Konzert-der-NSHC-Band-Terrorsphaera-in-Staupitz-im-Oktober-2014.jpg\" alt=\"\" width=\"1200\" height=\"800\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10721\" class=\"wp-caption-text\">Konzert der NSHC-Band \u00abTerrorsph\u00e4ra\u00bb in Staupitz im Oktober 2014<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e<em>Konzerte dienen der Gemeinschaft und der Vernetzung\u201c<\/em>, hei\u00dft es im Oktober 2020 in einem Telegram-Kanal in Bezug auf ein Solidarit\u00e4ts-Shirt, das angefertigt wurde um den \u00abAlten Gasthof\u00bb in Zeiten der Pandemie finanziell zu unterst\u00fctzen. Eine Gemeinschaft, die immer verschlossener und konspirativer wurde, denn seit 2020 lie\u00dfen sich nur sehr selten Flyer f\u00fcr bevorstehende Konzerte \u00f6ffentlich finden. Konnte der \u00abAlte Gasthof\u00bb vor etlichen Jahren noch mit einem offiziellen Facebook-Profil gefunden werden, existierte bis vor Kurzem nur noch ein Info-Kanal auf Telegram. Weniger als 150 Neonazis befanden sich in diesem Chat, zu dem sich lediglich auf Einladung ein Zugang \u00f6ffnete. Und wenn doch einmal eine Ank\u00fcndigung in \u00f6ffentlichen Gruppen bei Telegram und Co. die Runde machte, hie\u00df es oft, dass man sich an \u201edie \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen wenden\u201c solle, um Karten zu erwerben. Waren es 2011 \u201enur\u201c rund 1420 Neonazis, die im gesamten Jahr zu Konzerten in Staupitz anreisten, besuchen seit 2014 durchschnittlich zwischen 2100 und 2300 Neonazis j\u00e4hrlich die Veranstaltungen. Hiervon ausgenommen sind die Pandemie-Jahre 2020 und 2021, als weder 10 Konzerte im Jahr, noch zu jedem Konzert 240 Personen erschienen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zahlen, die auch durch Kleine Anfragen der Fraktion \u201eDie Linke\u201c zu \u201eAktivit\u00e4ten der extremen Rechten in Sachsen\u201c im s\u00e4chsischen Landtag mittlerweile monatlich einsehbar sind. Einsch\u00e4tzungen, die teils verf\u00e4lscht sind und oft in sich nicht stimmig sind. Beobachtungen und Recherchen legen nahe, dass in Staupitz offensichtlich regelm\u00e4\u00dfig gegen die Auflagen versto\u00dfen wurde. Schon zu Ostern 2016, als ein Konzert zum 35-J\u00e4hrigem Bestehen der Bremer RechtsRock-Band \u00abEndstufe\u00bb angek\u00fcndigt wurde, hie\u00df es von Seiten der Veranstalter, dass es 333 Tickets im Vorverkauf geben w\u00fcrde. Gekommen waren letzten Endes bis zu 400 Neonazis. Der s\u00e4chsische Geheimdienst habe hingegen nur 240 Teilnehmende gez\u00e4hlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbst wenn man den Zahlen Glauben schenkt, belegen diese nur, dass es im \u00abAlten Gasthof\u00bb keine Handhabe dar\u00fcber gab, wie vielen Neonazis der Einlass gew\u00e4hrt wurde. So habe ein Konzert aus dem Genre \u201eNational Socialist Black Metal\u201c (NSBM) im November 2019 laut Geheimdienst um die 250 Neonazis angezogen, wiederum \u201eca. 200-250\u201c seien am ersten Tag des \u201e40-Jahre Endstufe\u201c-Konzertwochenendes Anfang Oktober 2022 nach Staupitz gekommen. Einen Monat sp\u00e4ter zur Record-Release-Party der neuen CD von \u00abHeiliger Krieg\u00bb sch\u00e4tzt der Geheimdienst die Zahl der Anwesenden ebenfalls auf 250. Woher diese Zahlen \u00fcberhaupt stammen ist unklar. Weder waren Polizeikr\u00e4fte am Einlass zugegen, noch wurde der Saal w\u00e4hrend den Veranstaltungen inspiziert. Die Zahlen stammen vermutlich von eigenen Quellen, sogenannten \u201eV-Personen\u201c, oder dem \u201eErfahrungswert\u201c der anwesenden Polizei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Antifaschistische Recherche-Gruppen, die seit Jahren vor Ort das Geschehen beobachten, kamen hingegen auf andere Zahlen. Bei einem Konzert im August 2018 etwa, u.a. mit der australischen RechtsRock-Kultband \u00abFortress\u00bb waren weit \u00fcber 250 Neonazis vor Ort. Auch zum \u00abWhite X-Mas\u00bb-Konzert Ende Dezember 2019 konnten wesentlich mehr BesucherInnen in Staupitz festgestellt werden, als der Geheimdienst (\u201eca. 240\u201c) z\u00e4hlte. Die rund 115 Autos der angereisten Neonazis, die an diesem Abend im Dorf verteilt geparkt waren, sprechen stark daf\u00fcr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbst untereinander waren sich die Geheimdienste der Bundesl\u00e4nder nicht einig dar\u00fcber, wie viele Personen nun an den Konzerten teilnahmen. So \u201ez\u00e4hlte\u201c der s\u00e4chsische Geheimdienst bei einem Konzert im August 2013 rund 260 Neonazis in Staupitz, die Brandenburger Kollegen kamen auf 500 Personen. Am 5. April 2015 nannte die s\u00e4chsische Beh\u00f6rde eine Teilnehmerzahl von 200 bis 250, w\u00e4hrend ihre Kolleg*innen aus Brandenburg von 400 in ihrem Jahresbericht schrieben. Manche Konzerte listete der s\u00e4chsische Geheimdienst auch erst gar nicht, so geschehen bei einem Konzert am 8. Dezember 2018, u.a. mit den Bands \u00abConfident of Victory\u00bb und \u00abExzess\u00bb.<\/p>\n<div id=\"attachment_10729\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Flyer-fuer-das-40-Jahre-Konzertwochenende-von-Endstufe-in-Staupitz-im-Herbst-2022.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10729\" class=\"wp-image-10729 size-medium\" src=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Flyer-fuer-das-40-Jahre-Konzertwochenende-von-Endstufe-in-Staupitz-im-Herbst-2022-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10729\" class=\"wp-caption-text\">Flyer f\u00fcr das 40-Jahre-Konzertwochenende von \u00abEndstufe\u00bb in Staupitz im Herbst 2022<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ausgehend von diesen beh\u00f6rdlichen\u00a0\u201eKompetenzen\u201c, sollten Analysen hinsichtlich der Bedeutung der Konzerte vorrangig auf eigene Beobachtungen aufbauen. Es n\u00fctzt nichts, sich einzig und allein auf die Erkenntnisse der Beh\u00f6rden zu verlassen. Wohin das f\u00fchren kann, sah man im Herbst 2022, als die Antwort zur monatlichen \u201eKleinen Anfrage\u201c der Partei \u201eDie Linke\u201c hinsichtlich der Aktivit\u00e4ten der Extremen Rechten in Sachsen im Monat September ver\u00f6ffentlicht wurde. Lokale Journalist*innen berichteten darauf hin eifrig, dass es am Freitag den 30. September 2022 in Staupitz zu einem Konzert mit bis zu 250 Teilnehmenden gekommen war. Eine sicherlich relevante Information, um die \u00d6ffentlichkeit up-to-date zu halten, was gerade in Staupitz passiert. Das war aber nur die halbe Wahrheit, denn einen Tag sp\u00e4ter, am 1. Oktober 2022, fand dort ebenfalls ein Konzert statt. Dieses wurde in der Presse nicht thematisiert, schlie\u00dflich war der Bericht des s\u00e4chsischen Geheimdienstes f\u00fcr Oktober noch nicht \u00f6ffentlich. Eigene Recherchen h\u00e4tten nicht nur den Charakter einer 2-t\u00e4gigen Veranstaltung offenbart, sondern auch die Bedeutung des Konzertwochenendes: die Bremer Band \u00abEndstufe\u00bb feierte ihr 40-J\u00e4hriges Bestehen, mit Unterst\u00fctzung von RechtsRockern aus den USA, Deutschland und Spanien.<\/p>\n<div id=\"attachment_10727\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Keltenkreuz-Flagge-beim-Auftritt-der-spanischen-Band-Pugilato-um-Alberto-Gonzalo-de-Juan-in-Staupitz-im-Mai-2017.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10727\" class=\"wp-image-10727 size-medium\" src=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Keltenkreuz-Flagge-beim-Auftritt-der-spanischen-Band-Pugilato-um-Alberto-Gonzalo-de-Juan-in-Staupitz-im-Mai-2017-300x201.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"201\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10727\" class=\"wp-caption-text\">Keltenkreuz-Flagge beim Auftritt der spanischen Band \u00abPugilato\u00bb um Alberto Gonz\u00e1lo de Juan in Staupitz im Mai 2017<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die wenigen eigenen Eindr\u00fccke, die antifaschistische Recherche-Gruppen von den Konzerten in Staupitz mitbekommen, bekr\u00e4ftigen hingegen das tats\u00e4chliche Ausma\u00df an NS-Verherrlichung und Menschenverachtung w\u00e4hrend den Konzerten. So liegt etwa ein kurzes Video eines Auftrittes der spanischen NS-Hardcore-Band \u00abPugilato\u00bb im \u00abAlten Gasthof\u00bb im Mai 2017 vor. Zu sehen ist dort die B\u00fchne und eine \u00fcber die Boxen gespannte Flagge, die das in der Szene beliebte \u201eKeltenkreuz\u201c zeigt. Weltweit ist es das Erkennungszeichen der rassistischen \u201eWhite Power\u201c-Bewegung, die eine \u201ewei\u00dfe Vorherrschaft\u201c anstrebt. Die Verwendung des Symbols, in Kombination mit einem Aufruf zur Gewalt, ist in Deutschland strafbar. \u00abPugilato\u00bb ist bekannt f\u00fcr ihr martialisches Image und ihre Vertonung von Hass und Gewalt. Ein Schlagring umfasst das Logo der Band und S\u00e4nger Alberto Gonz\u00e1lo de Juan selbst beschrieb das Konzert in Staupitz in den sozialen Netzwerken als Teil der \u00abTerror Tour\u00bb seiner Band. Auf seinem Unterarm hat er den sogenannten SS-Totenkopf \u2013 in Deutschland strafbar \u2013t\u00e4towiert, den er auf dem Konzert 2017 in Staupitz ebenfalls offen pr\u00e4sentierte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies sind bei weitem nicht die einzigen dokumentierten Vorf\u00e4lle in Staupitz. \u201e<em>Richtig guter Auftritt und ordentliches Training f\u00fcr den rechten Arm\u201c<\/em>. So beschreibt ein Nutzer eines internen Neonazi-Forums das Konzert am 3. Februar 2018, bei dem u.a. \u00abSquadron\u00bb aus England und die deutsche Band \u00abBlutlinie\u00bb auftraten. Das er damit das exzessive Zeigen des Hitler-Gru\u00dfes meint liegt auf der Hand. Auch ein Foto, dass nur kurze Zeit sp\u00e4ter zu Ostern 2018 auf einem Konzert im \u00abAlten Gasthof\u00bb entstand, best\u00e4tigt die Annahme dass das Zeigen des Hitlergru\u00dfes in Staupitz keine Seltenheit war. Das Bild zeigt die Band \u00abFlak\u00bb (NRW) um Philipp Neumann, sowie das Publikum in Pose. Mindestens drei Personen aus der Menge zeigen auf dem Bild erkennbar den Hitlergru\u00df. Nur sp\u00e4rlich wurden diese strafbaren Gesten geschw\u00e4rzt und retuschiert, bevor das Bild seinen Weg in die sozialen Netzwerke fand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das solche Handlungen in Staupitz die Regel waren, davon wei\u00df selbst der brandenburgische Geheimdienst zu berichten. <em>\u201eDie Teilnehmer forderten die Band erfolgreich auf das Lied \u201aBlut\u2018 zu spielen\u201c<\/em> schreibt dieser in seinem Jahresbericht zu einem Konzert am 5. April 2015 u.a. mit \u00abH8Machine\u00bb (USA). Mit \u201eBlut\u201c ist der in der Szene weit bekannte Song \u201eBlut muss flie\u00dfen\u201c gemeint, wo es hei\u00dft: <em>\u201e<\/em><em>Wetz die <\/em><em><em>langen Messer<\/em><\/em><em> auf dem B\u00fcrgersteig! Lass die Messer flutschen in den Judenleib!<\/em><em> Blut mu<\/em><em>ss<\/em><em> flie\u00dfen, kn\u00fcppelhageldick, wir schei\u00dfen auf die Freiheit dieser Judenrepublik!\u201c<\/em>.<\/p>\n<div id=\"attachment_10895\" style=\"width: 1210px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Ein-Bild-der-Band-Flak-waehrend-ihres-Konzerts-in-Staupitz-zu-Ostern-2018-auf-dem-die-Hitlergruesse-geschwaerzt-bzw.-retuschiert-wurden.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10895\" class=\"wp-image-10895 size-full\" src=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Ein-Bild-der-Band-Flak-waehrend-ihres-Konzerts-in-Staupitz-zu-Ostern-2018-auf-dem-die-Hitlergruesse-geschwaerzt-bzw.-retuschiert-wurden.jpg\" alt=\"\" width=\"1200\" height=\"675\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10895\" class=\"wp-caption-text\">Ein Bild der Band \u00abFlak\u00bb w\u00e4hrend ihres Konzerts in Staupitz zu Ostern 2018, auf dem die Hitlergr\u00fc\u00dfe geschw\u00e4rzt bzw. retuschiert wurden<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e<em>Vereinzelt wurde der Hitlergru\u00df gezeigt\u201c<\/em>, merkt der Geheimdienst im selben Bericht zu einem Konzert am 8. August 2015 an. \u201e<em>Die Zeiten, in der die Polizei die politische Gesinnung der B\u00fcrger pr\u00fcft, ist vorbei. Wenn keine Straftaten begangen werden, d\u00fcrfen wir auch nicht eingreifen.\u201c<\/em>, teilte der damalige Sprecher der Polizeidirektion Westsachsen der <a href=\"https:\/\/www.torgauerzeitung.com\/default.aspx?t=newsdetailmodus%2866462%29\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Torgauer Zeitung<\/a> in einem Artikel 2011 mit. \u201e<em>Der Zutritt f\u00fcr Presse, TV und Polizei ohne vorherige Absprache ist nicht gestattet! Zuwiderhandlungen stellen einen strafbaren Hausfriedensbruch dar!\u201c<\/em>, hei\u00dft es wiederum auf einem Banner, der w\u00e4hrend der Veranstaltungen am Einlass zum \u00abAlten Gasthof\u00bb hing. Dieser soll die Annahme der Neonazis untermauern, dass die Konzerte unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit stattf\u00e4nden. Dieser Annahme schienen auch die Beh\u00f6rden zu folgen, eine Absenz der Strafverfolgung war die Konsequenz. Der \u00f6ffentliche Charakter von Veranstaltungen wird juristisch jedoch wie folgt umrissen: <em>\u201e(&#8230;)<\/em><em> bei einem bestimmbaren Teilnehmerkreis liegt eine \u00f6ffentliche Veranstaltung vor, wenn es weder unter den Teilnehmern noch gegen\u00fcber dem Veranstalter eine pers\u00f6nliche Verbindung gibt.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Konzerte, die f\u00fcr jede*n einsehbar in den sozialen Netzwerken beworben werden, so wie es bis ca. 2020 der Fall war, d\u00fcrften demnach auch \u00f6ffentlich sein. Wenn dazu, wie noch im Oktober 2022, Karten im Vorfeld \u00fcber eine Mail-Adresse f\u00fcr jede*n erwerbbar sind, entf\u00e4llt auch eine \u201epers\u00f6nliche Verbindung\u201c zum Veranstalter. Erst recht bei 240 zahlenden G\u00e4sten. W\u00e4re im Falle der Konzerte im \u00abAlten Gasthof\u00bb die \u00d6ffentlichkeit anerkannt, h\u00e4tte zumindest die NS-Verherrlichung strafrechtlich verfolgt werden k\u00f6nnen. Hier sei an den Umgang mit Konzerten im th\u00fcringischen Kirchheim erinnert, wo Polizist*innen mitunter w\u00e4hrend der Konzerte im Saal filmten. Extrem rechte Erlebnisr\u00e4ume k\u00f6nnen dadurch ihren Reiz verlieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tats\u00e4chlich w\u00e4hlten die Beh\u00f6rden Anfang 2023 aber einen anderen Weg, um das Konzert-Geschehen einzuschr\u00e4nken: das Landratsamt entsagte Andreas Becker das Gewerbe. Der kann dagegen Rechtsmittel einlegen. Zwischenzeitlich sind Konzerte jedoch nicht ausgeschlossen, denn innerhalb des Verwaltungsrechts gibt es M\u00f6glichkeiten die Vollstreckung eines solchen Bescheids zu unterbinden, bis es ein Urteil gibt.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>Die Veranstalter<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass ein extrem rechter Erlebnisraum und Ort des Austausches \u00fcber so viele Jahre bestand hatte, ist ein Alleinstellungsmerkmal des \u00abAlten Gasthofes\u00bb. Daf\u00fcr sorgten jedoch nicht die Beh\u00f6rden, sondern auch das eingespielte Team aus Betreiber, VeranstalterInnen und Crew.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: left;\"><strong>Die Rzehaczeks \u2013 ein Familienbetrieb <\/strong><\/h4>\n<div id=\"attachment_10733\" style=\"width: 1210px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kai-Rzehaczek-3.v.l.-bei-der-Anreise-zum-JN-Europakongress-in-Riesa-im-Mai-2018-Bildrechte-Recherche-Nord.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10733\" class=\"size-full wp-image-10733\" src=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kai-Rzehaczek-3.v.l.-bei-der-Anreise-zum-JN-Europakongress-in-Riesa-im-Mai-2018-Bildrechte-Recherche-Nord.jpg\" alt=\"\" width=\"1200\" height=\"798\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10733\" class=\"wp-caption-text\">Kai Rzehaczek (3.v.l.) bei der Anreise zum JN-Europakongress in Riesa im Mai 2018 &#8211; Bildrechte: Recherche Nord<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den ersten Jahren waren es vor allem lokale Strukturen, die in Staupitz an der Organisation von Konzerten beteiligt waren. Hervor zu heben sei hier <strong>Kai <\/strong><strong>Rzehaczek<\/strong> (*1968) aus Eilenburg. Er sa\u00df in der nords\u00e4chsischen Kleinstadt im Stadtrat f\u00fcr die NPD, war auf Aufm\u00e4rschen als \u00abAnti-Antifa\u00bb-Fotograf unterwegs und betrieb ab circa 2010 bis Anfang 2015 den extrem rechten \u00abNordsachsen Versand\u00bb. Letzterer sei ein \u201eFamilienbetrieb\u201c gewesen, wie er in einem Interview 2010 dem Neonazi-Portal \u00abFreies Netz Jena\u00bb mitteilt, denn auch sein Sohn Paul Rzehaczek arbeitete in dem Versand. Paul Rzehaczek ist seit Jahren Funktion\u00e4r der \u00abJungen Nationalisten\u00bb (kurz JN, die Jugendorganisation der NPD) deren Vorsitz er zuletzt bis 2022 inne hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Rzehaczeks waren mit ihrem Versand keine Gr\u00f6\u00dfe im RechtsRock-Gesch\u00e4ft. Vielmehr vertrieben sie Propaganda-Material lokaler und \u00fcberregionaler Aktionsgruppen. Die Kontaktnummer aus dem Impressum des \u00abNordsachsen-Versands\u00bb befand sich 2011 dennoch auf Flyern f\u00fcr Konzerte in Staupitz. An den Konzerttagen bekam man dar\u00fcber den Schleusungspunkt: zwischen 19:30 Uhr und 20:30 Uhr an der Tankstelle im nahen Mockrehna. Ank\u00fcndigungen machten damals auf Plattformen wie dem neonazistischen \u00abThiazi-Forum\u00bb die Runde, welches allerdings 2012 aufgrund von Strafverfolgung geschlossen werden musste.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: left;\"><strong>RechtsRock-Mogul aus Cottbus<\/strong><\/h4>\n<div style=\"float: right; padding-left: 0px;\"><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben den Konzerten, die auf Akteure der lokalen Szene schlie\u00dfen lassen, kamen in Staupitz schnell auch Neonazis aus dem \u201egro\u00dfen\u201c RechtsRock-Gesch\u00e4ft hinzu. Nicht zuletzt um neueste Produktionen durch Record-Release-Shows unter die Leute zu bringen. Einer, der schon fr\u00fch diese M\u00f6glichkeit erkannte ist <strong>Martin Seidel<\/strong> (*1983) aus Cottbus. Seit Mitte der 2000er Jahre ist er mit \u00abRebel Records\u00bb weltweit einer der relevantesten Produzenten von RechtsRock. Er unterh\u00e4lt \u00fcber den ganzen Globus Kontakte zu Bands und Labels, die er sich durch Reisen (etwa in die USA) \u00fcber die Jahre aufbauen konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eines der ersten Konzerte im \u00abAlten Gasthof\u00bb in Staupitz, das Seidel zugeschrieben wird, fand im August 2011 statt. Unter dem Motto \u201eSierra Tequila Party\u201c (eine Konzertreihe, die bis 2015 bestand hatte) trat damals auch seine eigene Band \u00abHausmannskost\u00bb auf. Bis Ende 2022 wurde diese \u00fcber 15 Mal f\u00fcr Konzerte in Nordsachsen angek\u00fcndigt. \u00abKraft durch Musik\u00bb (KdM) war nur kurze Zeit nach dem Konzert im August 2011 der Name der Organisation, die zu zahlreichen weiteren Konzerte einlud. Sei es durch Kontakt-Nummern, Mail-Adressen oder den Hinweis auf \u00abRebel Records\u00bb selbst wird ersichtlich, dass es sich bei KdM um die Konzertgruppe um Martin Seidel handelt. Auch der von Seidel genutzte Alias \u201eMr. Peppermint\u201c tauchte in Bezug auf das Konzertgeschehen auf. Hinweise zu ihm und seinem Label finden sich zudem bei der Konzertreihe \u201eWe love to entertain us\u201c, \u00fcber die in Staupitz zwischen 2012 und 2016 vorrangig Bands aus der internationalen NS-Hardcore-Szene pr\u00e4sentiert worden.<\/p>\n<div style=\"float: left; padding-left: 0px;\"><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zuletzt wies ein zweit\u00e4giges Konzert unter dem Motto \u201eDer Osten rockt gegen Kommunismus II\u201c am 21. und 22. Oktober 2022 auf das Mitwirken von Seidel. Karten konnten schlie\u00dflich \u00fcber eine Mailadresse geordert werden, die auch als Kontakt-Adresse seiner Band \u00abHausmannskost\u00bb dient. Hinzu kommen etliche weitere Konzerte, die ohne einen speziellen Anlass von Seidel und seiner Konzertgruppe durchgef\u00fchrt worden. Insgesamt hatte der Cottbuser Neonazis zwischen 2011 und 2022 bei rund 30 Konzerten seine Finger im Spiel.<\/p>\n<div id=\"attachment_10735\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Merchandise-fuer-das-NSBM-Konzert-in-Staupitz-im-November-2019.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10735\" class=\"size-medium wp-image-10735\" src=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Merchandise-fuer-das-NSBM-Konzert-in-Staupitz-im-November-2019-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10735\" class=\"wp-caption-text\">Merchandise f\u00fcr das NSBM-Konzert in Staupitz im November 2019<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und Seidel wirkte auch f\u00fcr andere Gruppen als Ansprechpartner in Staupitz. So fand dort etwa im November 2019 ein Konzert u.a. mit den neonazistischen Black Metal-Bands \u00abLeibstandarte\u00bb (Frankreich) und \u00abGoatmoon\u00bb (Finnland) statt, welches unter dem Motto \u201eReturn of the Fireblade\u201c beworben wurde. Dazu eingeladen hatte die Gruppe \u00abNeuschwabenland Konzerte\u00bb (NSL) um Bj\u00f6rn Eichhorn aus Chemnitz. Tickets konnten \u00fcber Seidels \u00abKDM\/Rebel Records\u00bb erworben werden, w\u00e4hrend NSL darauf hinwies, dass man nur \u201eeine nicht personengebundene Bezeichnung f\u00fcr Menschen\u201c sei \u201edie k\u00fcnstlerische Darbietungen unterst\u00fctzen\u201c. Eichorn und NSL hatten zuvor etliche Konzerte aus dem NSBM-Bereich im Erzgebirge und in Ronneburg (Th\u00fcringen) veranstaltet. In Staupitz organisierte er schon 2013 ein Konzert aus der \u00abFireblade Force\u00bb-Reihe mit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch f\u00fcr sein nahes Umfeld tritt Seidel im \u00abAlten Gasthof\u00bb als Verantwortlicher auf. Etwa im Januar 2012, wo u.a. \u00abBlackout\u00bb aus England angek\u00fcndigt worden. \u201eGeburtstagsparty\u201c stand damals gro\u00df auf dem Flyer des Konzerts, das laut s\u00e4chsischem Geheimdienst 200 bis 300 Neonazis besucht haben sollen. Die Brisanz dieses Events wird jedoch nur anhand einer interner Kommunikation ersichtlich, denn damals feierte in Staupitz Christian Kunja mit vier weiteren Neonazis seinen Geburtstag. Kunja geh\u00f6rt seit den 2000er Jahren den \u00ab<a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/?p=8573#sachsen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hammerskins Sachsen<\/a>\u00bb an und lebt heute (wieder) im Raum Cottbus. Die Einladung zum Konzert hatte er damals an Hammerskins in ganz Europa weitergeleitet.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: left;\"><strong>Exkurs: \u00abHammerskin\u00bb-Konzerte in Staupitz?<\/strong><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was es hei\u00dft wenn die \u00ab<a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/?p=7180\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hammerskin Nation<\/a>\u00bb zu Konzerten l\u00e4dt, darauf verweisen etliche antifaschistische Gruppen seit Jahren. Die Neonazi-Bruderschaft gibt sich elit\u00e4r und verschwiegen und tritt kaum in der \u00d6ffentlichkeit kaum. Ihre Konzerte sind eine der wenigen Anl\u00e4sse, bei denen Einblicke gew\u00e4hrt werden. So auch im Dezember 2015, als im \u00abAlten Gasthof\u00bb die Fahne der \u00abHammerskins Sachsen\u00bb auf der B\u00fchne hin. Dutzende bedeutende Akteure waren gekommen, denn die Konzerte sind immer auch Orte zur Vernetzung und des Austauschs. Neben deutschen Mitgliedern der \u00abHammerskin Nation\u00bb (HSN) besuchte u.a. auch Steve Doby aus den USA \u2013 der \u00abInternational Director\u00bb der HSN \u2013 wie auch Hammerskins aus Schweden das Konzert. Im Line-Up des Konzerts befand sich zudem die ungarische NS-Hardcore-Band \u00abVerszerz\u00f6des\u00bb um Gergely \u201e<em>Geri<\/em>\u201c Csirke. Dieser gilt als Chef der \u00abHungarian Hammerskins\u00bb.<\/p>\n<div id=\"attachment_10738\" style=\"width: 1210px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Die-Hammerskins-Thorsten-Wolff-Steve-Doby-und-Magnus-Olsson-v.l.n.r.-auf-einem-Konzert-in-Staupitz-im-Dezember-2015.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10738\" class=\"size-full wp-image-10738\" src=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Die-Hammerskins-Thorsten-Wolff-Steve-Doby-und-Magnus-Olsson-v.l.n.r.-auf-einem-Konzert-in-Staupitz-im-Dezember-2015.jpg\" alt=\"\" width=\"1200\" height=\"674\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10738\" class=\"wp-caption-text\">Die Hammerskins Thorsten Wolff, Steve Doby und Magnus Olsson (v.l.n.r.) auf einem Konzert in Staupitz im Dezember 2015<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tats\u00e4chlich Fu\u00df fassen konnte die Bruderschaft als Veranstalter in Staupitz jedoch nicht. Bekannt ist neben den bereits erw\u00e4hnten Konzerten lediglich ein Event im M\u00e4rz 2012, welches unter dem Motto \u201eEin Sturm zieht auf\u2026\u201c beworben wurde, sowie ein Konzert unter dem Motto \u201eSkinheads are back in town\u201c im M\u00e4rz 2014. Beide f\u00fchren zu den \u00abHammerskins Franken\u00bb zur\u00fcck, die unter diesen Mottos noch Jahre sp\u00e4ter im th\u00fcringischen Kirchheim Konzerte ausrichteten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dennoch geh\u00f6rten Mitglieder der HSN in Staupitz zum Stammklientel der BesucherInnen. Selbstsicher zeigten sie sich mit ihren Symbolen und manchmal sogar in Bomberjacke mit Patches, die ihre organisatorische Zugeh\u00f6rigkeit verraten. Die HSN ist zwar nicht verboten, agiert aber weitgehend konspirativ. Mit Konzertveranstalter Martin Seidel haben sie einen langj\u00e4hrigen Unterst\u00fctzer, der \u00fcber \u00abRebel Records\u00bb nicht nur namhafte Bands aus dem Hammerskin-Milieu produziert, sondern der in Deutschland und in den USA auch gerngesehener Gast auf Events der Bruderschaft ist.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: left;\"><strong>\u201e&#8230;bis zum n\u00e4chsten Holocaust 2018!\u201c &#8211; die MS 88<\/strong><\/h4>\n<div style=\"float: right; padding-left: 0px;\"><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass Seidel anderen Konzertgruppen seine Gewerbestruktur um \u00abRebel Records\u00bb zur Verf\u00fcgung stellte, fiel schon im April 2015 auf. Damals f\u00fchrte die Gruppe \u00abWhite Society\u00bb ein Konzert u.a. mit der bekannten NS-Hardcore-Band \u00abH8Machine\u00bb (USA) durch. Tickets konnten \u00fcber \u00abRebel Records\u00bb erworben werden, beworben und umgesetzt wurde das Konzert jedoch ma\u00dfgeblich von Neonazis aus der Region Oberhavel in Brandenburg. Die Rede ist von den \u00abM\u00e4rkischen Skinheads 88\u00bb (MS88) um <strong>Robert Wolinski <\/strong>(*1988) und <strong>Robert Wegner <\/strong>(*1984). Die \u00abWhite Society\u00bb hatte bereits im Dezember 2014 ein Konzert in Staupitz organisiert und auch der brandenburgische Geheimdienst merkte in seinem Jahresbericht an, dass Protagonisten der MS88 im November 2014 ein Konzert mit internationalen Line-Up in Staupitz angemeldet und durchgef\u00fchrt hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Robert Wolinski war schon um 2010 als Mittelsperson zwischen Kameradschafts- und Parteistruktur bekannt. Er geh\u00f6rte in dieser Zeit der JN an, die sich in Oranienburg im \u00abAlten Speicher\u00bb ein eigenes Jugendzentrum geschaffen hatte und dort einen Gro\u00dfteil der f\u00fcr Brandenburg geplanten Konzerte durchf\u00fchrte. Als der Mietvertrag f\u00fcr diese Location im Herbst 2011 gek\u00fcndigt wurde, gab es die \u00abM\u00e4rkischen Skinheads 88\u00bb bereits einige Monate. Neben Liedermacher-Abenden in kleinerer Runde konnte sich Wolinski mit den MS88 auch mit der Organisation von Gro\u00dfevents einen Namen machen. Das Logo der Kameradschaft fand man schlie\u00dflich auf dem Flyer f\u00fcr ein Konzert im Juli 2013. \u00dcber 700 Neonazis kamen damals nach Finowfurt im Landkreis Barnim, wenn auch nur f\u00fcr eine zweist\u00fcndige musikalische Darbietung, da die Polizei das Konzert dann aufl\u00f6ste. Es gab den Verdacht, dass eine Band ein indiziertes Lied gespielt hatte.<\/p>\n<div style=\"float: left; padding-left: 0px;\"><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass die MS88, wie auch Martin Seidel, f\u00fcr die Organisation von Konzerten immer \u00f6fter nach Sachsen auswich, ist dem h\u00e4rteren Durchgreifen der brandenburgischen Beh\u00f6rden verschuldet. Bis heute sind Konzerte mit \u00fcber 100 Personen im Bundesland fast unm\u00f6glich. Einzig kleinere Liedermacher-Abende werden \u2013 auch von Wolinski und den MS88 \u2013 in Brandenburg durchgef\u00fchrt. Unter der Firmierung \u00abMVD\u00bb hatte Wolinski noch im Juni 2016 versucht ein dreit\u00e4giges Festival in Brandenburg umzusetzen, ohne Erfolg. Headliner sollte damals die US-amerikanische NS-Hardcore-Band \u00abH8Machine\u00bb sein, zu der \u2013 wie auch zu den Bands \u00abBlue Eyed Devils\u00bb (USA) und \u00abDeutsch Stolz Treue\u00bb aus Berlin \u2013 Wolinski und Wegner eine enge Beziehung pflegen. Die Bands gelten als Unterst\u00fctzer der \u00abHammerskin Nation\u00bb, wie auch die beiden Neonazis selbst. Immer wieder werden sie im Zusammenhang mit der Bruderschaft festgestellt. <em>\u201eNette Leute inkl. super funktionierenden Saalschutz, also bis zum n\u00e4chsten Holocaust 2018!\u201c<\/em><em>, <\/em>lobte ein Teilnehmer das Konzert der MS88 im Februar 2018. Es ist ein Bezug auf das Album \u201eHolocaust 2000\u201c der Band \u00abBlue Eyed Devils\u00bb, die in Staupitz aufgetreten war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Staupitz tauchte das Logo der \u00abM\u00e4rkischen Skinheads 88\u00bb auf den Flyern einiger Konzerte sp\u00e4testens ab M\u00e4rz 2017 auf. Zuletzt war es auf der Einladung zu einem Konzert u.a. mit \u00abBronson\u00bb (Italien) am 2. November 2019 abgebildet. Das einen Tag zuvor fast die selben Bands in einem bislang unbekannten Szeneobjekt in Bad Gottleuba-Berggie\u00dfh\u00fcbel OT Langenhennersdorf in der S\u00e4chsischen Schweiz unter dem Banner der MS88 auftraten, ist ein bekanntes Verfahren der letzten Jahre. Vor allem wenn ausl\u00e4ndische Bands in Deutschland zu Gast waren, fand h\u00e4ufig am Freitag ein Konzert in Ostsachsen statt, den darauf folgenden Tag kamen die Bands in Staupitz zusammen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht offiziell unter dem Logo der MS88, aber mit dem Hinweis auf die bekannte, der Kameradschaft zugerechneten Mail-Adresse, wurde noch im Februar 2020 ein Konzert im \u00abAlten Gasthof\u00bb beworben. Auch an diesem Wochenende fand zun\u00e4chst ein Konzert am Vortag, mutma\u00dflich in der s\u00e4chsischen Schweiz, statt. Diese besagte Mailadresse der MS88 befand sich bereits auf den Veranstaltungs-Flyern f\u00fcr die Konzertreihe \u00abNordic Pride\u00bb. Unter dem Motto fanden zwischen 2014 bis 2019 insgesamt f\u00fcnf Konzerte in Staupitz statt. Auch die Reihe \u201eFuror Teutonicus\u201c (\u201eGermanische Angriffslust\u201c) wurde ma\u00dfgeblich von den MS88 bis Dezember 2018 in Staupitz durchgef\u00fchrt. Insgesamt gehen in Staupitz zwischen 2014 und 2020 knapp 20 Konzerte auf das Konto der \u00abM\u00e4rkischen Skinheads 88\u00bb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbst wenn seit einiger Zeit \u00fcber Flyer keine Bez\u00fcge mehr zu der Gruppe zu finden sind, ist davon auszugehen, dass diese auch heute noch in Nordsachen in die Konzert-Organisation eingebunden ist. Als Indiz daf\u00fcr sei das \u00abWhite X-Mas Bash\u00bb am 28. Dezember 2019 angef\u00fchrt, dass eigentlich Martin Seidel zugeschrieben wird. Am Abend selbst konnte aber auch Robert Wegner von den MS88 dabei beobachtet werden, wie er beim Auf-und Abbau half. Diese Synergie beschreibt der brandenburgische Geheimdienst in seinen Jahresberichten seit 2017 regelm\u00e4\u00dfig wie folgt: \u201ePersonen aus Brandenburg (OHV und Cottbus) waren in die Organisation eingebunden.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass die Cottbuser Szene mit den Neonazis aus dem Landkreis Oberhavel eng im RechtsRock-Gesch\u00e4ft verbunden ist, liegt an ihrer gemeinsamen Geschichte. Schon 2007 sa\u00df u.a. Robert Wolinski beim \u00abFest der V\u00f6lker\u00bb in Jena am Verkaufsstand von \u00abRebel Records\u00bb. Damals war Wolinski gerade einmal 19 Jahre alt.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: left;\"><strong>\u00abThis Is White Noise\u00bb \u2013 Yves Rahmel und \u00abPC Records\u00bb<\/strong><\/h4>\n<div id=\"attachment_10740\" style=\"width: 1210px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Konzert-der-italienischen-Band-Green-Arrows-in-Staupitz-im-Juni-2022.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10740\" class=\"wp-image-10740 size-full\" src=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Konzert-der-italienischen-Band-Green-Arrows-in-Staupitz-im-Juni-2022.jpg\" alt=\"\" width=\"1200\" height=\"511\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10740\" class=\"wp-caption-text\">Konzert der italienischen Band \u00abGreen Arrows\u00bb in Staupitz im Juni 2022<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben \u00abRebel Records\u00bb geh\u00f6rt das Chemnitzer Label \u00abPC Records\u00bb zu den umsatzst\u00e4rksten RechtsRock-Produzenten weltweit. Lange Zeit war dort <strong>Yves Rahmel<\/strong> (*1981) Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, heute ist er \u201enur\u201c im Versand angestellt und betreut das in Chemnitz ans\u00e4ssige Ladengesch\u00e4ft. Der urspr\u00fcnglich aus Brandenburg stammende Rahmel stieg um 2013 ins Konzertgeschehen in Staupitz ein. Zun\u00e4chst galt er als Drahtzieher der Solidarit\u00e4ts-Konzerte f\u00fcr die Aufm\u00e4rsche in Dresden und Chemnitz, anl\u00e4sslich der Bombardierung der beiden St\u00e4dte im Februar und M\u00e4rz 1945. Eines der ersten Konzerte, das in diesem Zusammenhang stand, lief jedoch nicht wie geplant. \u00dcber 500 Neonazis begehrten am 9. Februar 2012 in Staupitz Einlass, nur 400 schafften es rein. Der Rest wartete vergebens, was der Grund f\u00fcr gro\u00dfen Unmut war. Schlie\u00dflich hatten die meisten im Vorfeld pro Ticket 15 Euro bezahlt.<\/p>\n<div style=\"float: left; padding-left: 0px;\"><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein letztes Solidarit\u00e4ts-Konzert f\u00fcr den Dresdner \u201eTrauermarsch\u201c, u.a. mit der Berliner Band \u00abSpreegeschwader\u00bb, fand im Februar 2023 statt. Zwischen 200 und 240 Neonazis aus zehn Bundesl\u00e4ndern reisten daf\u00fcr an. Rund 100 Autos s\u00e4umten die Stra\u00dfen und Wege rund um den ehemaligen Gasthof. Wie im Vorjahr war Yves Rahmel auch in die eigentliche Organisation des \u201eTrauermarschs\u201c in Dresden eingebunden und betreute dort die Technik im Lautsprecherwagen. Auch das ist kein Zufall, denn zur NPD und deren Jugendorganisation JN h\u00e4lt Rahmel gute Kontakte. U.a. ist das Ladengesch\u00e4ft von \u00abPC Records\u00bb in der von der JN genutzten Immobilie in der Markersdorfer Stra\u00dfe in Chemniz untergebracht. Das Label wiederum produzierte 2019 einen Sampler zum 50-J\u00e4hrigen Bestehen <a href=\"https:\/\/www.runtervonderkarte.jetzt\/chemnitz-pc-records-laden-und-nazi-wohnprojekt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">der JN<\/a>.<\/p>\n<div id=\"attachment_10742\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Der-NSU-Unterstuetzer-Andre-Kapke-nimmt-Bezug-auf-seine-Teilnahme-an-dem-Konzert-in-Staupitz-im-September-2019.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10742\" class=\"size-medium wp-image-10742\" src=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Der-NSU-Unterstuetzer-Andre-Kapke-nimmt-Bezug-auf-seine-Teilnahme-an-dem-Konzert-in-Staupitz-im-September-2019-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10742\" class=\"wp-caption-text\">Der NSU-Unterst\u00fctzer Andr\u00e9 Kapke nimmt Bezug auf seine Teilnahme an dem Konzert in Staupitz im September 2019<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gro\u00dfen F\u00fcrspruch bekam Rahmel aber vor allem durch die Konzertreihe \u00abThis Is White Noise\u00bb. Die Premiere dieser Reihe fand vermutlich im September 2014 in Staupitz statt, als u.a. die italienische Band \u00abGesta Bellica\u00bb angek\u00fcndigt wurde. Damals konnte das Motto das erste Mal auf einem Flyer f\u00fcr die Konzerte in Nordsachsen wahrgenommen werden. F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter, im <a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/?envira=28-09-2019-noie-werte-u-a-im-alten-gasthof-in-staupitz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">September 2019<\/a>, feierte die Konzertreihe ihre zehnte Auflage, u.a. mit den RechtsRock-Kult Bands \u00abNoie Werte\u00bb um Szeneanwalt Steffen Hammer, \u00abWarlord\u00bb (UK) und abermals \u00abGesta Bellica\u00bb. Das Event lockte auch Neonazis an, die im Szene-Kontext sonst kaum wahrnehmbar sind. Neben Maik Bunzel aus Cottbus, ebenfalls Szene-Anwalt und ehemaliger S\u00e4nger von \u00abHassgesang\u00bb, besuchte auch Andr\u00e9 Kapke aus Th\u00fcringen dieses Konzert. Er war ein enger Vertrauter des NSU und setzt sich bis heute f\u00fcr den inhaftierten Ralf Wohlleben ein, der dem NSU die Waffe besorgt hatte, mit der 10 Menschen ermordet wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2022 wurde in Staupitz am Wochenende um den 11. Juni sogar ein zweit\u00e4giges \u00abThis Is White Noise-Fest\u00bb veranstaltet. Bis zu 240 Neonazis reisten am Freitag an, um u.a. \u00abMistreat\u00bb (Finnland) und \u00abFront 776\u00bb \u2013 die Nachfolge-Band von \u00abBlitzkrieg\u00bb aus Chemnitz \u2013 live zu erleben. Am Samstag fanden sich, laut s\u00e4chsischen Geheimdienst, rund 200 Personen ein. Aufgetreten war an dem Tag u.a. die NS-Hardcore-Band \u00abGreen Arrows\u00bb aus Italien. Seit diesem zweit\u00e4gigen Event fand sich kein weiterer Hinweis auf eine Fortsetzung der Konzertreihe.<\/p>\n<div style=\"float: left; padding-left: 0px;\"><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insgesamt werden Yves Rahmel und seiner Konzertgruppe rund 40 Konzerte zugerechnet. Neben der \u00abThis Is White Noise\u00bb-Reihe finden sich schlie\u00dflich auch Bez\u00fcge zu den \u00abOstara\u00bb-und \u201eTanz in den Mai\u201c-Konzerten, sowie zu Konzerten unter dem Motto \u201eDie Deutschen kommen\u201c. Auch in die Organisation von Konzerten mit den faschistischen japanischen Bands \u00abAggroknuckle\u00bb, \u00abThe Hawks\u00bb und \u00abSledgehammer\u00bb, jeweils im Mai 2016, 2018 und 2019, war Rahmel ma\u00dfgeblich involviert. <em>\u201eWer durch dumme Spr\u00fcche auff\u00e4llt, fliegt raus!\u201c<\/em> hei\u00dft es auf dem Flyer eines dieser Konzerte hinsichtlich m\u00f6glicher rassistischer \u00c4u\u00dferungen gegen\u00fcber den Japanern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Rahmen dieser Events waren die Bands in Chemnitz zu Besuch, wurden von Rahmel in der Stadt herum gef\u00fchrt und ins Ladengesch\u00e4ft von \u00abPC Records\u00bb eingeladen. So wie schon in den 2000er Jahren, wenn etwa Bands aus den USA auf Europa-Tour waren. Offenbar begleitete Rahmel vereinzelt Bands auch zu ihren Quartieren, wie im April 2019, als die schwedische Band \u00abCode 291\u00bb in Staupitz auftrat. Bilder zeigen ihn und weitere Neonazis aus seinem engsten Freundeskreis mit der Band vor dem Hotel \u00abZum Goldenen Stern\u00bb im brandenburgischen J\u00fcterborg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kontakte zu den Gruppen verfestigte Rahmel durch eine Vielzahl von Reisen und Besuchen. So gastierte er 2017 in Japan und nahm dort an Konzerten der lokalen faschistischen Szene Teil. Im M\u00e4rz 2019 war er in Chile und Brasilien, als dort \u00abBrutal Attack\u00bb aus England und die deutsche Band \u00abKategorie C\u00bb spielten. Im April des selben Jahres reiste er dann nach Norditalien, wo beim <a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/?envira=21-04-2019-rechtsrock-konzert-defend-europe-norditalien\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00abDefend Europe\u00bb-Konzert<\/a> bis zu 2.000 Neonazis den Geburtstag Adolf Hitlers feierten. Wenige Monate sp\u00e4ter war er Teil einer Reisegruppe s\u00e4chsischer Neonazis, die am \u00abFortress Europe\u00bb-Konzert in Kiew u.a. mit \u00abBlue Eyed Devils\u00bb (USA) teilnahm. Dort entstandene Fotos zeigen Rahmels R\u00fcckentattoo, dass mit Hakenkreuzen und anderen NS-verherrlichenden, antisemitischen Symbolen \u00fcbers\u00e4t ist.<\/p>\n<div style=\"float: right; padding-left: 0px;\"><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Organisation der Staupitzer Konzerte erhielt Rahmel jahrelang Unterst\u00fctzung von dem aus Magdeburg stammenden <strong>Holger Mentler<\/strong> (*1971). Mentler und Rahmel sind enge Freunde und wurden schon vor rund 10 Jahren als Duo auf RechtsRock-Konzerten festgestellt. Als die \u00abVeneto Fronte Skinheads\u00bb 2016 zu einem ihrer Gro\u00dfevents nach Italien luden, war es Mentler der den Verkaufsstand von \u00abPC Records\u00bb betreute.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch Steve Geburtig konnte auf den Konzerten in Staupitz regelm\u00e4\u00dfig festgestellt werden. Er ist heute Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von \u00abPC Records\u00bb. Des weiteren findet sich im Organisationskreis der Konzerte Tim K\u00fchn aus Chemnitz, der Hauptverantwortlicher des Neonazi-Kampfsportevents \u00abTiwaz\u00bb ist. In Staupitz fiel er auf, als er sein Auto direkt vor dem Einlass parken durfte. Erw\u00e4hnenswert ist zudem Stefan Trautmann, NPD-Kader aus D\u00f6beln in Mittelsachsen, der bei Konzerten u.a. als Park-Einweiser t\u00e4tig war und dar\u00fcber hinaus beobachtet wurde wie er Neonazis aus lokalen Strukturen als HelferInnen an den \u00abAlten Gasthof\u00bb vermittelte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sollten von den Abenden in Staupitz noch Konzert-Shirts \u00fcbrig geblieben sein, gab es diese ebenfalls in kleiner St\u00fcckzahl \u00fcber \u00abPC Records\u00bb zu erwerben. Zudem produzierte das Label Benefiz-Shirts f\u00fcr den \u00abAlten Gasthof\u00bb, die f\u00fcr 16,50 Euro pro St\u00fcck vertrieben wurden. Um dem Betreiber in der Corona-Pandemie \u201eetwas Gutes\u201c zu tun, hei\u00dft es, denn man habe sich dort <em>\u201eFernab der \u201agegen Rechts\u2018 F\u00f6rdert\u00f6pfe\u201c<\/em> einen <em>\u201ekleinen Freiraum geschaffen, wo auch sonst so \u201aunliebsame\u2018 Bands ihre Lieder tr\u00e4llern k\u00f6nnen ohne vorher bei Sittenw\u00e4chtern und Gutmenschen Bu\u00dfe tun zu m\u00fcssen\u201c.\u00a0 <\/em>Die Vorkehrungen zur Eind\u00e4mmung der Pandemie waren in Staupitz sp\u00fcrbar. Nur drei Konzerte konnten 2020 nach Ausbruch des Corona-Virus \u00fcberhaupt stattfinden. Alle drei wurden ma\u00dfgeblich von Yves Rahmel organisiert. 2021 waren es dann wieder mehr, insgesamt sieben an der Zahl.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>Schlagkr\u00e4ftiger Sicherheitsdienst<\/strong><\/h3>\n<div id=\"attachment_10744\" style=\"width: 1210px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Robert-Jaesche-Stefan-Baer-Martin-Ruckert-und-Lucien-Schoenbach-am-Einlass-waehrend-eines-Konzerts-mit-Noie-Werte-in-Staupitz-im-September-2019-Bildrechte-Exif-Recherche.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10744\" class=\"wp-image-10744 size-full\" src=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Robert-Jaesche-Stefan-Baer-Martin-Ruckert-und-Lucien-Schoenbach-am-Einlass-waehrend-eines-Konzerts-mit-Noie-Werte-in-Staupitz-im-September-2019-Bildrechte-Exif-Recherche.jpg\" alt=\"\" width=\"1200\" height=\"800\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10744\" class=\"wp-caption-text\">Robert J\u00e4sche, Stefan Baer, Martin Ruckert und Lucien Sch\u00f6nbach (v.l.n.r.) am Einlass w\u00e4hrend eines Konzerts mit \u00abNoie Werte\u00bb in Staupitz im September 2019 &#8211; Bildrechte: Exif-Recherche<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eKeine Karte = Kein Einlass ! Handy m\u00fcssen drau\u00dfen bleiben\u201c. Das war die Devise in Staupitz, um unter sich sein zu k\u00f6nnen und um unliebsame Mitschnitte der Konzerte zu verhindern. Um die Durchsetzung dessen k\u00fcmmerte sich der sogenannte \u201eSaalschutz\u201c, eine eigene Security im \u00abAlten Gasthof\u00bb. Diese bestand meist aus zehn bis f\u00fcnfzehn Personen aus Brandenburg, die f\u00fcr diese T\u00e4tigkeiten extra anreisten. Allesamt sind Mitglieder der \u00abNorthsidecrew\u00bb (NSC) oder geh\u00f6ren deren engsten Umfeld an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die NSC gr\u00fcndete sich Anfang der 2010er Jahre und versteht sich als Bruderschaft. Sie ist ein Zusammenschluss von Neonazis aus dem Kampfsport-, Hooligan- und Security-Milieu aus dem Raum Cottbus. Aktuell unterh\u00e4lt die Gruppierung, der bis zu 20 M\u00e4nner angeh\u00f6ren, einen Ableger in L\u00fcbben im Landkreis Dahme-Spreewald und in Gr\u00f6den im Landkreis Elbe-Elster. In L\u00fcbben betreibt die NSC in der ehemaligen Diskothek \u00abPlayers\u00bb auch ihr Clubhaus. Neben der Veranstaltung kleinerer rechter Konzerte, nutzen die Mitglieder die Immobilie vor allem f\u00fcr gemeinsame Kampf-und Kraftsport-Trainings. Ein Gro\u00dfteil der Gruppierung ist schlie\u00dflich im Amateurbereich im MMA und Kickboxing aktiv. Als \u00abTeam Greifvogel\u00bb und \u00abPreu\u00dfen Gloria\u00bb traten Akteure der NSC in den letzten Jahre regelm\u00e4\u00dfig bei Szene-Events wie dem \u00ab<a href=\"https:\/\/runtervondermatte.noblogs.org\/der-kampf-der-nibelungen-2018-eine-erste-auswertung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kampf der Nibelungen<\/a>\u00bb und dem \u00ab<a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/?p=6105\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tiwaz<\/a>\u00bb an.<\/p>\n<div style=\"float: left; padding-left: 0px;\"><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Staupitz sind es vor allem die NSC-Mitglieder <strong>Stefan Baer<\/strong>, <strong>Lucien Sch\u00f6nbach<\/strong>, <strong>Martin Ruckert<\/strong> und <strong>Robert J\u00e4sche<\/strong>, die sich h\u00e4ufig den Dienst am Einlass und im Saal teilen. Unterst\u00fctzung erhalten sie u.a. von <strong>Patrick Orbanz<\/strong>, <strong>Robert Richter<\/strong> und <strong>Sebastian L\u00f6sky<\/strong>, die ebenfalls der NSC angeh\u00f6ren. Wie bei unpolitischen, kommerziellen Events m\u00fcssen die BesucherInnen ihre Fremdgetr\u00e4nke am Einlass abgeben und sich einem sogenannten Bodycheck unterziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um auch Smartphones mit Kameras von den Konzerten fern zu halten, konnte etwa bei einem Konzert von \u00abNoie Werte\u00bb im September 2019 eine skurille Situation beobachtet werden. Denn statt alle Taschen der Konzertteilnehmer zu durchsuchen, benutzten die Neonazis am Einlass eine Art Detektor. Von Seiten des brandenburgischen Geheimdienstes hei\u00dft es seit 2016 dazu nur, dass \u201ePersonen aus Brandenburg als Ordner vorgesehen\u201c seien. Als Security in Staupitz fiel die NSC einer antifaschistischen Recherche erstmalig bei einem Konzert u.a. mit \u00abSturmwehr\u00bb und \u00abExzess\u00bb im November 2017 auf. Damals standen Mitglieder der Vereinigung am B\u00fchnenrand in Richtung des Publikums, begleitet in Shirts der NSC.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>Legaler Treffpunkt <\/strong><strong>zur Fortf\u00fchrung illegaler Vereinigung<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf den Konzerte im \u00abAlten Gasthof\u00bb trifft sich eine Gemeinschaft, die aus Personen mit einem gefestigten, neonazistischen Weltbild besteht. Szene-Neulinge und Mitl\u00e4ufer ausgeschlossen. Der Altersdurchschnitt der Teilnehmenden ist oft bei 35+, bei M\u00e4nnern wie auch Frauen. F\u00fcr Frauen ist es eine bequeme Umgebung, denn die Konzerte muten eher einer geselligen Runde an, statt einer politischen Versammlung, gar einer \u00f6ffentlichen Kundgebung. Wie schon oft erw\u00e4hnt: In Staupitz f\u00fchlt(e) man sich jeher sicher und unbeobachtet. Dies galt auch f\u00fcr die Organisationen die dort zusammen kamen. Sprechen Veranstaltungen aus der Feder von Martin Seidels \u00abRebel Records\u00bb und Robert Wolinskis \u00abM\u00e4rkischen Skinheads 88\u00bb eher die \u00abHammerskin Nation\u00bb samt Unterst\u00fctzerumfeld an, trifft sich auf Yves Rahmels Konzerten vorrangig das Netzwerk von \u00abBlood &amp; Honour\u00bb (B&amp;H). Die Vereinigung wurde 2000 in Deutschland verboten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im M\u00e4rz 2006 war Rahmel einer von rund 80 Personen, die bundesweit von Durchsuchungen im Zusammenhang mit der \u00abDivision 28\u00bb betroffen waren, der Nachfolgestruktur von B&amp;H in Deutschland. Ermittelt wurde wegen dem Versto\u00df gegen ein Vereinigungs-Verbot. Das Verfahren wurde 2010 eingestellt, da <em>\u201eein \u00f6ffentliches Interesse an der Strafverfolgung nicht gegeben\u201c<\/em> sei, so die Beh\u00f6rden. Eine Ein-und Anbindung Rahmels zu B&amp;H findet sich jedoch weiterhin auf vielen Ebenen. Seine Reisen und Kontakte f\u00fchren nicht zuf\u00e4llig in das weltweite Netzwerk.<\/p>\n<div id=\"attachment_10746\" style=\"width: 1210px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Links-im-Bild-das-Banner-der-Skinheads-Chemnitz-auf-einem-von-BH-organisierten-ISD-Memorial-Konzert-in-England.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10746\" class=\"wp-image-10746 size-full\" src=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Links-im-Bild-das-Banner-der-Skinheads-Chemnitz-auf-einem-von-BH-organisierten-ISD-Memorial-Konzert-in-England.jpg\" alt=\"\" width=\"1200\" height=\"567\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10746\" class=\"wp-caption-text\">Links im Bild das Banner der \u00abSkinheads Chemnitz\u00bb auf einem von \u00abBlood &amp; Honour\u00bb organisierten ISD-Memorial-Konzert in England<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eHerzlichen dank noch an dich yves, hat wortlos am ausschank super geklappt\u201c<\/em> (sic) kommentiert Werner Butscher ein Bild in den sozialen Netzwerken. Es stammt vom \u201eIan Stuart Donaldson\u201c-Gedenkkonzert, dass im September 2015 in England stattfand. Offenbar half Rahmel dort am Ausschank, w\u00e4hrend Butscher mit der deutschen B&amp;H-Band \u00abFaustrecht\u00bb auf der B\u00fchne stand. Das sogenannte \u00abISD Memorial\u00bb wird in England ausschlie\u00dflich von B&amp;H organisiert, mit Hilfe der \u201eDivisionen\u201c aus ganz Europa. Banner der \u00abBlood &amp; Honour &#8211; Division Deutschland\u00bb werden dort j\u00e4hrlich, trotz Verbot und ohne Scheu pr\u00e4sentiert, wie auch das der \u00abSkinheads Chemnitz\u00bb. Diese Gruppierung gab es bereits in den 1990er Jahren und galt als Konzertgruppe der s\u00e4chsischen Sektion von B&amp;H. Auff\u00e4llig oft ist das Banner der \u00abSkinheads Chemnitz\u00bb heute auf Konzerten zu finden, die Yves Rahmel selber besucht oder mit veranstaltet. Kein Wunder, denn Rahmel und \u00abPC Records\u00bb tritt mindestens seit 2004 als Ansprechpartner der Chemnitzer Gruppierung auf.<\/p>\n<div id=\"attachment_10748\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Yves-Rahmel-und-u.a.-der-BH-Kader-Robert-Talland-auf-einem-Konzert-in-Finnland-im-Juli-2018.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10748\" class=\"wp-image-10748 size-medium\" src=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Yves-Rahmel-und-u.a.-der-BH-Kader-Robert-Talland-auf-einem-Konzert-in-Finnland-im-Juli-2018-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10748\" class=\"wp-caption-text\">Yves Rahmel und u.a. der \u00abBlood &amp; Honour\u00bb-Kader Robert Talland auf einem Konzert in Finnland im Juli 2018<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch Rahmels Weggef\u00e4hrte Holger Mentler ist dem B&amp;H-Netzwerk zuzurechnen. In den 1990ern geh\u00f6rte er B&amp;H in Magdeburg an und versuchte auch nach dem Verbot die Strukturen weiterzuf\u00fchren. Schlie\u00dflich wurde gegen ihn ermittelt, im erst 2008 ausgetragenen Prozess musste er sich daf\u00fcr jedoch nicht verantworten. Die Konzerte in Staupitz die Rahmel zugerechnet werden, weisen ebenfalls deutlich auf B&amp;H hin. So gilt etwa die Band \u00abSokyra Peruna\u00bb als Aush\u00e4ngeschild von B&amp;H in der Ukraine, ihr S\u00e4nger Arseniy \u201eBilodub\u201c Klimachev ist Kontaktperson der Organisation. Die Band spielte im April 2017 und im November 2018 in Staupitz. Dar\u00fcber hinaus gab es zig weitere Bands, die im \u00abAlten Gasthof\u00bb spielten, die als B&amp;H-Bands gelten: etwa \u00abBlitzkrieg\u00bb aus Chemnitz, \u00abWhite Resistance\u00bb aus Zwickau und \u00abNon Plus Ultra\u00bb aus D\u00fcsseldorf, wie auch \u00abMistreat\u00bb und \u00abSniper\u00bb aus Finnland, oder \u00abBrutal Attack\u00bb aus England. Vor allem Letztere besitzt heute Kult-Status in der Szene und ist seit \u00fcber 40 Jahren weltweit auf Konzerten von B&amp;H als Zugpferd zu finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besonders anschaulich wird die Verbindung von Konzerten in Staupitz zu B&amp;H anhand der zehnten Auflage der \u00abThis Is White Noise\u00bb-Konzertreihe. Das am 28. September 2019 ausgetragene Konzert hatte nicht nur die deutsche Band \u00abNoie Werte\u00bb im Line-Up, auch \u00abGesta Bellica\u00bb traten auf. Die 1991 gegr\u00fcndete italienische Band nutzt au\u00dferhalb von Deutschland ein Logo, das den Schriftzug \u201eSangvis et Honor\u201c beinhaltet \u2013 lateinisch f\u00fcr \u00abBlood &amp; Honour\u00bb. Gitarrist Alessandro Castorina ist zudem F\u00fchrungsfigur der \u00abVeneto Fronte Skinheads\u00bb, die als Ableger von B&amp;H in Italien erachtet werden. Dass die Band europaweit vor allem auf Events des B&amp;H-Netzwerks auftritt, versteht sich von selbst. In Staupitz trat an diesem Abend au\u00dferdem \u00abWarlord\u00bb aus England auf, die Band um S\u00e4nger Steve Calladine, genannt \u201eStigger\u201c. Calladine spielte schon bei \u00abSkrewdriver\u00bb um B&amp;H-Gr\u00fcndungsfigur Ian Stuart Donaldson und ist dar\u00fcber hinaus an weiteren B&amp;H-Bands in England beteiligt.<\/p>\n<div style=\"float: left; padding-left: 0px;\"><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Anhang von Calladine befand sich im September 2019 in Staupitz auch <strong>Robert Talland <\/strong>(*1969) aus Essex, \u00f6stlich von London. Er, der in der Szene als \u201eGinger Rob\u201c bekannt ist, geh\u00f6rt seit den 1990er Jahren dem Ableger \u00abBlood &amp; Honour \u2013 East London\u00bb an und betreibt das RechtsRock-Label \u00abRampage Productions\u00bb. Kaum ein internationales B&amp;H-Konzert vergeht ohne die Teilnahme von Talland. Es scheint so, als sei er eine Art Europa-Chef, der die Aktivit\u00e4ten von B&amp;H in ganz Europa \u00fcberwacht und begleitet. Dabei ist erw\u00e4hnenswert, dass sich Talland nicht im \u00ab<a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/?p=4399\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Blood &amp; Honour &#8211; Combat 18<\/a>\u00bb-Milieu bewegt, sondern vorrangig in den alten B&amp;H-Strukturen, \u00e4hnlich wie Yves Rahmel. Es ist jenes Milieu, dass sich in Deutschland auf eine offizielle Entstehung im Jahr 1994 beruft und in Th\u00fcringen und Sachsen ma\u00dfgeblich den rechts-terroristischen NSU unterst\u00fctzte. Bis heute werden sogenannte Divisionen in England, Schweden, Italien, Portugal, Deutschland, Ungarn, \u00d6sterreich, Ukraine, Bulgarien und Slowenien unterhalten. Als Decknamen nutzt dieses Netzwerk den Begriff \u201e28 Europe\u201c. Keines der Mitglieder dieser Vereinigung sa\u00df j\u00fcngst auf der Anklagebank als im Sommer 2022 in M\u00fcnchen wegen B&amp;H-Fortf\u00fchrung verhandelt wurde.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>Taten <\/strong><strong>und Worte<\/strong><\/h3>\n<div id=\"attachment_10750\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Die-slowakische-Band-Judenmord-heute-Kratky-Proces-um-Saenger-Rastislav-Rogel-sollte-im-Maerz-2020-in-Staupitz-auftreten.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10750\" class=\"wp-image-10750 size-medium\" src=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Die-slowakische-Band-Judenmord-heute-Kratky-Proces-um-Saenger-Rastislav-Rogel-sollte-im-Maerz-2020-in-Staupitz-auftreten-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10750\" class=\"wp-caption-text\">Die slowakische Band \u00abJudenmord\u00bb heute \u00abKr\u00e1tky Proces\u00bb um S\u00e4nger Rastislav Rogel sollte im M\u00e4rz 2020 in Staupitz auftreten<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Konzerte in Staupitz waren legale Treffpunkte international agierender Organisationen, deren Ideologie auf der gewaltt\u00e4tigen Durchsetzung der \u201ewei\u00dfen Vorherrschaft\u201c beruht. Ob \u00abHammerskin Nation\u00bb oder \u00abBlood &amp; Honour\u00bb: zahlreiche AkteurInnen dieser Gruppen begannen Morde und unterst\u00fctzten auch heute noch terroristische Netzwerke \u2013 eingeschlossen den MusikerInnen dieses Milieus. Diese transportieren nicht nur die Ideologie, sondern stacheln zur Gewalt auf und sind h\u00e4ufig selbst in neonazistisch motivierten Gewalttaten verwickelt. Erst am 21. M\u00e4rz 2023 wurde etwa Matej Bul\u00edk, Bassist der slowakischen Band \u00abKr\u00e1tky Proces\u00bb, <a href=\"https:\/\/www.startitup.sk\/muzi-ktorych-zadrzala-naka-pozovali-na-mieste-vrazdy-daniela-tupeho-v-mikinach-eighty-eight\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">verhaftet<\/a>. Er soll im November 2005 in Bratislava mit weiteren Neonazis eine Gruppe Student*innen \u00fcberfallen haben. Dabei wurde der damals 21-J\u00e4hrige Daniela Tup\u00e9ho durch Stichverletzungen so schwer verletzt, dass er starb. \u00abKr\u00e1tky Proces\u00bb, die fr\u00fcher unter dem Namen \u00abJuden Mord\u00bb auftraten, sollten im M\u00e4rz 2020 im \u00abAlten Gasthof\u00bb beim elften \u00abThis Is White Noise\u00bb-Konzert auftreten. Aufgrund der Pandemie fand das Konzert jedoch nicht statt.<\/p>\n<div id=\"attachment_10752\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Das-von-Seidels-Rebel-Records-produziertes-T-Shirt-der-Band-Wellington-Arms.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10752\" class=\"wp-image-10752 size-medium\" src=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Das-von-Seidels-Rebel-Records-produziertes-T-Shirt-der-Band-Wellington-Arms-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10752\" class=\"wp-caption-text\">Das von Seidels \u00abRebel Records\u00bb produziertes T-Shirt der Band \u00abWellington Arms\u00bb<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Staupitz wurde Netzwerkarbeit betrieben, es wurden Vorgehensweisen, Entscheidungen und Zukunftspl\u00e4ne besprochen, auch hinsichtlich Musik-Produktionen und der Finanzierung dessen. Jeder der im \u00abAlten Gasthof\u00bb involvierten Veranstalter, samt Netzwerk, hat eine lange Geschichte in diesem Gesch\u00e4ft und ist Schl\u00fcsselfigur, auch im Vertrieb strafbarer Produktionen. Robert Wolinski war etwa an der Verbreitung einer strafrechtlich relevanten CD der Berliner Band \u00abDeutsch Stolz Treue\u00bb beteiligt. Bei Martin Seidel wiederum beschlagnahmten Beamt*innen bei einem Konzert u.a. mit \u00abStahlgewitter\u00bb im Dezember 2005 in D\u00f6beln CDs, die Abbildungen von Adolf Hitler und Hakenkreuzen zeigten. J\u00fcngst produzierte er \u00fcber \u00abRebel Records\u00bb ein T-Shirt der US-amerikanischen Band \u00abWellington Arms\u00bb, dessen R\u00fcckendruck den Slogan \u201eBringing back fascism\u201c beinhaltet. Die Band spielte erst am 30. September 2022 in Staupitz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch bei Yves Rahmel und \u00abPC Records\u00bb kam es 2009 und 2011 wegen volksverhetzender CD-Produktionen zu Hausdurchsuchungen. Letztere betraf auch Kai Rzehaczek und den \u00abNordsachsen-Versand\u00bb, aufgrund des Vertriebs der CD \u201eAdolf Hitler lebt\u201c von \u00abGigi und die braunen Stadtmusikanten\u00bb. Zum einen verherrlicht und billigt der auf dem Album ver\u00f6ffentlichte Song \u201eD\u00f6ner-Killer\u201c die Mordserie des NSU, zum anderen leugnet das Lied \u201eGeschw\u00fcr am Arsch\u201c die Shoa. Rahmel und Rzehaczek kamen mit einer Geldstrafe davon.<\/p>\n<div id=\"attachment_10754\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Stefan-Fahrenbach-mittig-mit-Schnauzbart-auf-einem-Konzert-in-Staupitz-im-Juni-2022.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10754\" class=\"size-medium wp-image-10754\" src=\"https:\/\/exif-recherche.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Stefan-Fahrenbach-mittig-mit-Schnauzbart-auf-einem-Konzert-in-Staupitz-im-Juni-2022-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10754\" class=\"wp-caption-text\">Stefan Fahrenbach mittig mit Schnauzbart auf einem Konzert in Staupitz im Juni 2022<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Blick auf das Publikum im \u00abAlten Gasthof\u00bb war \u00c4hnliches zu beobachten. Besonders erw\u00e4hnenswert ist Stefan Fahrenbach aus dem th\u00fcringischen Suhl, der erst im Juni 2022 ein Konzert u.a. mit \u00abEndstufe\u00bb in Staupitz besuchte. Fahrenbach ist seit etlichen Jahren als H\u00e4ndler strafbarer CDs bekannt. Schon vor rund 10 Jahren bot er in geschlossenen Gruppen in sozialen Netzwerken CDs aus dem B&amp;H-Milieu an, 2016 wurde gegen ihn wegen Mitgliedschaft bei \u00abBlood &amp; Honour S\u00fcdth\u00fcringen\u00bb <a href=\"https:\/\/agst.noblogs.org\/post\/2019\/01\/17\/suhl-nachtrag-zur-razzia-gegen-blood-honour\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ermittelt<\/a>. Nach dem Gro\u00dfkonzert im Oktober 2016 in Toggenburg in der Schweiz war es ebenfalls Fahrenbach, der massenhaft die neueste CD-Produktion \u201eBlut und Ehre\u201c der Untergrund-Band \u00abErschie\u00dfungskommando\u00bb auf den deutschen Markt brachte. Auch heute ist er in einschl\u00e4gigen Verkaufs-B\u00f6rsen in den sozialen Netzwerken aktiv.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">B&amp;H-Kader Robert Talland, der im September 2019 in Staupitz festgestellt wurde, stand erst 2022 in England vor Gericht, gemeinsam mit seinen Kindern Rosie und Stephen (bekannt als Liedermacher \u00abStevie\u00bb). W\u00e4hrend sich seine Kinder aufgrund der Mitgliedschaft in einer RechtsRock-Band verantworten mussten, wurde Robert Talland als Produzent von CDs angeklagt. Den drei Neonazis wurde vorgeworfen, dass sie mit ihren Aktivit\u00e4ten zum \u201eRassenhass angestiftet\u201c haben sollen. Vater Talland habe zudem eine terroristische Publikation verbreitet. Bis das Urteil rechtskr\u00e4ftig ist, ist es den Tallands verboten mit \u00abBlood &amp; Honour\u00bb und \u00abRampage Productions\u00bb Konzerte zu veranstalten oder CDs zu produzieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob die genannten Personen auch auf den Konzerten in Staupitz aktiv strafbare CDs vertrieben, ist nicht verifizierbar. Da sich die Polizei auf Verkehrskontrollen fokussierte galt im \u00abAlten Gasthof\u00bb bislang: wo kein Kl\u00e4ger da kein Richter. Sollte auch die verwaltungsrechtliche Untersagung des Betriebs nicht Bestand haben und die Beckers ihr Wochenend-Gesch\u00e4ft fortf\u00fchren d\u00fcrfen, werden sich die beschriebenen Netzwerke in Staupitz weiterhin ausbauen. Ganz legal unter beh\u00f6rdlicher Auflagen, versteht sich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viel wurde in den letzten Monaten \u00fcber die Neonazi-Location im nords\u00e4chsischen Torgau OT Staupitz gesagt und geschrieben. \u201eChronik.LE\u201c ver\u00f6ffentlichte ein Dossier, Lokalzeitungen berichteten fast monatlich \u00fcber die Entwicklungen vor Ort und Diskussionsveranstaltungen zum Thema wurden durchgef\u00fchrt. 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